Sonntag, 10. Mai 2015

Libelle, Bergmolch und Co.: Exkursion zum Waldsee im Mai

Am 9. Mai 2015 gaben ich, die FÖJ-lern von 2012/13 und Jule Dummert eine Exkursion zum Waldsee im Schönberger Forst. Aufgrund diverser organisatorischer Schwierigkeiten hatte wohl niemand in Lauf davon erfahren und die paar Leute, die sich über Facebook angemeldet hatten, hatten uns auch vergessen.

So saßen wir mit Bestimmungsbüchern, Keschern, allerlei Schaugefäßen, sogar einem Mikroskop am Weg und die meisten Passanten guckten uns an, als wären wir dem Irrenhaus entlaufen oder wollten ihnen etwas verkaufen.

Zum Glück radelte schließlich ein sympathisches Vater-Sohn-Gespann um die Ecke und machte mit. Die folgenden 2 Stunden zeigten wir dem stattlichen jungen Herren von ganzen 6 Jahren was man alles finden kann, wenn man mal mit dem Kescher durchs Wasser fährt. Nach anfänglichen Berührungsängsten war sich unser Held schon bald nicht mehr zu schade, die spannenden nassen Wesen selbst aus dem Kescher zu klauben…

Bergmolch Männchen

Aus einem geheimen Tümpel, den nur die Tina finden kann, holten wir den tollsten Waldbewohner von allen und gewährten ihm eine kleine Sightseeing-Tour.

Bergmolch Männchen

Es handelt sich dabei um einen männlichen Bergmolch in Wassertracht. Denn das restliche Jahr leben Bergmolche gut versteckt an feucht-kühlen schattigen Plätzen, wo man sie nur noch mit außergewöhnlich viel Glück finden kann. Nur nachts wagt sich der Bergmolch aus seinem Versteck und geht auf die Jagd.

Bergmolch Männchen

Nur zur Paarungszeit im Frühjahr werfen Weibchen und besonders Männchen sich in Schale und treffen sich an einem geeigneten Gewässer – da ist der Bergmolch allerdings nicht sehr wählerisch. Darin klebt das Weibchen bis zu 250 Eier einzeln an Wasserpflanzen. Brutpflege betreibt es nicht, die nach spätestens 4 Wochen schlüpfenden Larven sind dann auf sich alleine gestellt. So weit war es natürlich noch lange nicht.
Unser kleiner Held des Tages lieferte daher den Bergmolch-Papa höchstpersönlich wieder bei der Bergmolch-Mama ab.

Bergmolch Männchen

Unter unseren Fängen befand sich auch eine Käferlarve. Dazu muss man wissen, dass Käferarten von allen weltweit bekannten Tierarten ein ganzes Viertel ausmachen! Aber nur 360 Arten von 8000 Käfern die bei uns vorkommen, erleben einen Teil ihres Lebens im Wasser.

Wasserkäferlarve

Zu den größten Bewohnern im Waldsee gehören auf jeden Fall die Larven von diversen Großlibellen. Wir fanden davon einige beeindruckende Exemplare. Wenn Du das Bild unten als Maßstab ansehen willst: Von der 5er-Markierung bis zur 10 liegt 1 cm. Insgesamt war das Tier etwa 2,5 cm groß.

Großlibellenlarve

Großlibellen erkennt man im Larvenstadium neben der schieren Größe vor allem daran, dass ihr Hinterleib pyramidenartig zugespitzt verläuft. Bei Kleinlibellen gehen davon nämlich zusätzlich drei Kiemenblättchen aus, mit denen die Larve atmet.

Großlibellenlarve

Bei der Großlibellenlarve findet die Atmung direkt im Hinterleib statt. Davon abgesehen kann die Großlibellenlarve, wenn ihr eine Situation zu heikel wird, das Wasser aus ihrem Hinterleib ausstoßen und so blitzschnell von der Gefahr wegsausen.

Großlibellenlarve

In ihrem wassergebundenen Leben als Larve macht die Libelle mehrere Häutungen durch. Jedes Mal sieht sie ein bisschen mehr wie ein Erwachsener aus, jedes Mal werden ihre Augen und Flügel, die sie später zu einem ausgezeichneten Flugjäger machen werden, größer.

Libelle Schlupf

Eines Tages, meist früh morgens, ist es so weit und die Larve klettert aus dem Wasser, einen stabilen Grashalm empor. Für jemanden, der sein ganzes Leben lang geschwommen ist, ist das Klettern anstrengend. Nach einer kleinen Ruhepause geschieht es dann: Die Haut an Kopf, Brust und Rücken bricht auf und langsam arbeitet sich das noch weiche, endlich erwachsene Tier aus ihrer letzten Larvenhaut heraus.

Libelle Schlupf

Sie kann dann noch längst nicht los fliegen. Ihre Flügel waren die ganze Zeit nur auf kleinstem Raum komprimiert. Sie muss sie erst mit ihren Körpersäften aufblasen. Auch das frische Chitin-Skelett muss erst an der frischen Luft aushärten, bevor sie irgendetwas anderes machen kann. Die sonst als so buntes Insekt bekannte Libelle ist bisher auch noch fast völlig farblos, die Farbe muss sich erst noch entwickeln.

Großlibellenlarve Exuvie

Weiter oben ist die Luft zum Aushärten besser, daher klettert sie langsam nach oben. Zurück bleibt ihre harte Larvenhaut, auf schlau heißt das Exuvie. Im Bild oben kannst Du weiße Fäden sehen – die stammen vom Atmungsorgan der Libelle, den Tracheen. Die Libelle hat als Insekt nämlich keine Lunge wie wir. Stattdessen sind diese Tracheen wie Wasserleitungen durch ihren Körper verlegt und versorgen ihre Zellen mit Sauerstoff.

Kleinlibellenlarve Exuvie

Im Bild oben siehst Du noch eine Exuvie einer Kleinlibelle – ihre Augen liegen nämlich weit voneinander getrennt auf den gegenüberliegenden Seiten des Kopfes. An diesem Bild besonders ist, dass Du gut die sogenannte “Fangmaske” sehen kannst. Als sie noch im Wasser gelebt hat, hat sie damit blitzschnell ihre Beute eingefangen – da will man keine Libellenbeute sein! (Wenn Du so eine Fangmaske in Aktion sehen willst, klicke hier)

Junge Smaragdlibelle

Die Bilder oben und unten zeigen eine Libelle, wahrscheinlich eine Smaragdlibelle, die schon ein paar Stunden länger aus ihrer letzten Haut geschlüpft ist. Man sieht bereits, wie sich die metallisch grüne Farbe entwickelt.

Junge Smaragdlibelle

Schon bald wird sie flugfähig sein und ihren Beobachter an ihre Vorfahren im Zeitalter des Karbon erinnern, als Libellen noch eine Spannweite um einen Meter hatten und durch riesige Wälder aus riesigen Schachtelhalmen und Bärlappen schwirrten.

Junge Smaragdlibelle

Gerade im Mai gedeiht im Waldsee des Schönberger Forsts eine Pflanze aus der Roten Liste – der Fieberklee. Seine flauschig aussehenden, rein weißen Blüten laden ein, ihn zu pflücken. Aber wegen seines Status als Rote-Liste Art darf er nicht gepflückt werden. Seinen Namen hat er aus der Zeit, als man noch glaubte, die Pflanze würde gegen Fieber helfen – das konnte die moderne Medizin aber nie nachweisen.

Fieberklee

Einer der häufigsten Fänge in unserem Kescher waren die Larven von Eintagsfliegen. Deren kurzes Leben als Erwachsener, das allerdings auch länger als einen Tag dauern kann, geht ein noch viel längeres Leben als Larve voraus (bis zu 3 Jahre!). Die Larven erkennt man an den (meistens) drei Schwanzanhängen und den paarigen Tracheenkiemenblättchen am Hinterleib.

Eintagsfliegenlarve

Nachdem uns das Vater-Sohn-Gespann, sichtlich mit dem Biologie-Virus angesteckt, verließ, machten Jule und ich uns auf zu einem anderen Gewässer in der Nähe: Dem Nessenbach. Dieser fließt durch das malerische Dörflein Schönberg hinein in einen sandigen “Steckerles-Wald”. Dort schlängelt er sich durch tiefe Schluchten, birgt an manchen Stellen sogar trügerischen Treibsand wie ich 2 Jahre zuvor am eigenen Leib spüren durfte.

An einer steinigeren Stelle gingen wir mit dem Nordländer und seinem komisch begabten Hund Dexter wieder auf die Suche.

Steinfliegenlarve

Und wir fanden endlich auch Steinfliegenlarven. Anders als die Eintagsfliegenlarven haben diese immer nur zwei Schwanzanhänge und tragen ihre Tracheenkiemen quasi in ihren Achseln. Außerdem fühlen sich die meisten Arten nur in sauerstoffreicheren, strömenden Gewässern wohl – im Waldsee würde man keine Steinfliegenlarven finden. Daher sind sie auch Zeigerorganismen für eine gute Wasserqualität.

Köcherfliegenlarve Fangnetz

Einen besonderer Fund siehst Du im oberen Bild: Dies ist das Fangnetz einer Köcherfliegenlarve. Diese Tiere bauen sich teilweise artspezifisch aus verschiedensten Materialen einen Bau direkt um ihren Körper herum, der wie ein Köcher aussieht. Unten siehst du eine Köcherfliegenlarve, der ihr Sand-Köcher beim Keschern verloren gegangen ist – das ist aber kein Problem, den baut sie sich einfach wieder neu.
An großen Steinen spinnt sie sich mit derselben Substanz, mit denen sie die Baumaterialien ihres Köchers zusammenhält ein Netz, ähnlich wie eine Spinne. Wer so unglücklich ist, von der Strömung dort hineingetragen zu werden, endet als nächste Mahlzeit einer Köcherfliegenlarve.

Köcherfliegenlarve ohne Köcher

Vielleicht hat dieser kleine Bild-geschmückte Text ja Dein Interesse geweckt – am 27. Juni um 10:15 treffen wir uns wieder mit hoffentlich ein paar mehr tollen Menschen und sehen nach, was sich im Waldsee in den letzten 6 Wochen alles getan hat!

(Anmeldung auf Facebook, https://www.facebook.com/events/1592489507652896/ und/oder telefonisch unter 015771918532)

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