Montag, 4. Mai 2015

Helgoland Exkursion 2015, Die Überfahrt

25. März gegen 5:00 Uhr.
Ich befinde mich offensichtlich noch im Tiefschlaf und bekomme keine der üblicherweise mehreren Runden Vogelguckwecker mit. Erst als Jule das Licht an macht, erwache ich mit derben Kopfschmerzen. Ist wohl so eine Art umgekehrter Hitzeschlag vom textilbefreiteren Abend zuvor – eine Art Hirnfrost ohne Milchshake.

Während Jule also alleine rausgeht und einen verträumten Steinwälzer beobachtet, der jedes Mal verpasst, wenn der Schwarm weiterfliegt, schlafe ich noch eine gute dreiviertel Stunde weiter bis es Frühstückszeit ist.
Ich versuche nach Kräften noch so viel wie möglich guten Dani-Kuchen zu essen, bevor dieser im Müll verschwindet.

Darauf folgt einer der geordnetsten Abzüge, die ich je mit der Stammbesetzung der Meeresbiologieexkursionen miterleben durfte. Die abendlichen Überstunden haben sich bezahlt gemacht. Auf geht’s zum schönen Cuxhaven!
Ich, der offizielle, unübertreffliche, unglaubliche Bus-DJ, lege den “Fluch der Karibik”-Soundtrack auf -

Diverse Gesichter im Bus nehmen einen ernsten Ausdruck an. Man ist entschlossen, abenteuerlustig. Wie die Gischt in einem schlimmen Sturm auf See klatscht Regen an die Busscheiben. Dramatik pur! Wir wollen statt auf einem motorisierten Stahlschwimmkörper mit einem hölzernen Segelschiff zur Insel übersetzen. Am besten unter schwarzer Flagge.

Die Atmosphäre wird je gestört, als man ein dumpfes Grollen hört. Der Rest der Mannschaft wurde nicht gefragt, Fluch der Karibik wurde fortgejagt. Ferdi fordert den Ordner “Mitsingshit”. Dort hatte ich diverse vertonte Kinderlieder hinterlegt. Die Abenteuerstimmung weicht wieder dem Wahnsinn. Die Textsicherheit ist überraschend bombastisch.

Wir erreichen die gute Alte Liebe und erblicken die noch immer nicht gesunkene Atlantis. Ein Matrose aus der fränkischen Heimat v.a. Jules erwartet uns und ist ganz aus dem Häuschen. Als besondere Gefälligkeit, müssen wir unser Geraffel nicht einzeln über die Zugangsrampe und dann durch das atlantische Labyrinth zum Gepäckplatz tragen. Das Gepäck wird stattdessen von seinen Kollegen über eine Tür auf so hochabenteuerliche Weise ins Schiff geschleudert, dass man gar nicht hingucken möchte.

Anschließend entern wir die Eingeweide der Fähre und belegen aus alter Tradition die Langbank-Plätze. Die sind am besten geeignet, um seekranke Landratten über den Umweg durch Morpheus’ Reich zur heiligen Insel zu befördern. Ebenso aus alter Tradition muss aber auch stets beobachtet werden, wie sich das Festland in der Ferne verliert.

Tschüss Cuxhaven!

Nach etwa 2-3 Stunden Fahrt, die ich aufgrund geringen Wellengangs ohne viel Übelkeit überstehe, gelangen wir im Helgoländer Hafen an. So ruppig das Gepäck aufs Schiff gelangt ist – es kommt doppelt so ruppig wieder herunter. Teilweise landet es haarscharf nicht im Wasser.

Die erste Anlaufstelle ist das Labor, wo wir unser Laborgepäck direkt einlagern. Bald ist auch das persönliche Gepäck am Wilhelm-Mielck-Gästehaus angekommen. Wir gehen ihm nach und belegen unsere tollen renovierten Doppelzimmer die, obwohl kaum halb so groß, eigentlich viel funktioneller und angenehmer aufgeteilt sind als die in Wilhelmshaven.

Helgoland Labor Bildschirme

Dem Großteil des Trupps verlangt es nach einer Kaffee-Kuchen-Pause. Jule, mich und Ferdi mit leichter Verspätung, verzehrt es nur nach dem Vogelfelsen. Uns wurde nur eine Stunde Zeit angeordnet, also erleben wir im Zeitraffer:

Spielende Kegelrobben, Amseln, Stare, Haus-Sperlinge, Buchfinken, Rotdrosseln, Austernfischer, Rabenkrähen, Eiderenten, Silbermöwen, Dreizehenmöwen, Heringsmöwen,Trottellummen, Basstölpel, und Eissturmvögel.

Außerdem entdecken wir drei, die wir das letzte Mal vor zwei Jahren hier waren, dass die schöne Windrosen-Aussichtsplattform im Norden der Insel den Naturgewalten (naja, teilweise anthropogen) zum Opfer gefallen war.

5020884_1_0128sh-riss_helgoland5020883_m3w624h416q75v57928_0128sh-Helgoland_Foto_Jrn_Kessels

Was im linken Bild zum Dezember mit einem unscheinbaren Riss begann, endete am 12.12.2014 mit dem Abbruch eines riesigen Stückes unserer Lieblingsinsel. Vom Felswatt aus gesehen, bleibt davon nicht mehr als das:

Felswatt Helgoland Abbruch Windrose

Wir hechten die 60 m tiefe Treppe wieder hinunter, kaum das wir hinaufgehechelt waren, kommen wieder zurück zum Gästehaus und entdecken die Mannschaft immer noch behäbig speisend und schlürfend. Allerdings ist nur noch Kaffee übrig von der eisernen Ration. Welch ein Glück, dass wir die vergangenen zwei Tage so stark zugefüttert worden waren.

Weitere 45 min später sind wir wieder im Labor. Organisation. Das spätere Trio infernale, Ferdi, Jule, Dani und ich dürfen als erstes auf das Algenfischerboot Aade. Lea bekommt den Titel “André mit Sozialkomponente”, lässt sich ihren Stolz aber nicht ansehen. Die Hälterungsbecken werden vorbereitet und die Hamburger Studenten, die unser Stammlabor belegen, übergeben vor ihrer Abreise noch spannendes Material an uns weiter. Darunter einiges, was ich bisher zumindest auf Helgoland noch nicht im Labor hatte, z.B. Sepien, Pferdeaktinien und eine Seenadel. Wer wann welches Referat halten soll wird lose festgehalten.

Seenadel

Um 18:00 Uhr gibt es Abendessen in der Jugendherberge. Wir kredenzen Reis mit Geschnetzeltem- und Gemüsesoße und klauen etwas von dem interessanten Eiersalat der anderen Jugendherbergsgäste (das geht in Ordnung, die klauen noch viel mehr!). Während das Ungeheuer Teeexperimente durchführt, stellen sich andere ihren Ängsten vor reudigen Tierpräparaten oder den Weiten des Weltalls, was besonders Neurologen sehr spannend finden.

Die Nachspielzeit im Labor verbringe ich mit der mich fesselnden Recherche nach der Geologie von Helgoland. Ich hatte darüber vor 4 Jahren an selber Stelle ein Referat gehalten und da dieses wichtige Thema sonst nicht vergeben wurde, wollte ich das spontan wieder anbieten. Interessierte finden die Powerpoint dazu hier.

Ansonsten ist man Allgemein recht fertig. Außer dem geschäftigen Bearbeiten des bereits vorhandenen Materials werden diverse Videos aus den Tiefen des Internets hervorgeholt. Da sie so genial waren, möchte ich sie euch hier verlinken.

Das folgende passt auch sehr gut zu den Allgemein während der Exkursion getroffenen Schlussfolgerungen über die Natur: Insbesondere zum Thema des konventionellen Anbaus von Windkraftanlagen, da zur Ernte hin und wieder domestizierte Verwandte dieser selten werdenden Naturwunder eingesetzt werden:

So. Das war alles, was es zum Tag der großen Ankunft auf der Insel zu erzählen gab – zumindest was mein eigenes Tagebuch hergibt. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Ich hoffe ich habe euch nicht mit zu viel Fremd-Youtube-Material gelangweilt. Aber es war episch und darf hier nicht fehlen.

Vielen Dank fürs Weiterlesen! Bald geht es weiter!

Euer Tinschen

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