Sonntag, 24. Mai 2015

Helgoland Exkursion 2015, Inseltag 1

26. März, 4:30 Uhr
Wieder klingelt der Wecker, während ich mich in einer Tiefschlafphase befinde. Jule piekst mich wach.
Im Gemeinschaftsraum gesellen sich Sarah und Sandra zu uns. Ein sehr kleines Frühstück aus Tee und evtl. einer Banane und auf geht’s zum Vogelfelsen. Dort haben wir jetzt auch genug Zeit, um diverse Verhaltensmuster zu beobachten wie die Anlieferung von Nistmaterial – bei Wind noch lustiger – und anschließendes Begrüßungs-Schnäbeln.

Basstölpel schnäbeln

Wir vergleichen die Nistplätze aus unserem Erinnerungsschatz von 2013 (bzw. 2011) und heute und finden: Die Lummen wurden noch mehr von den Basstölpeln verdrängt als das schon vor 2 oder 4 Jahren der Fall war. Mittlerweile sind 70% des Lummenfelsens nicht mehr von Lummen sondern von Basstölpeln besetzt. Als wäre das nicht schlimm genug für die Lummen, entdecken wir auch noch, dass ein ordentliches Stück von der Flanke abgebrochen ist. An manchen Vorsprüngen, wo die früher Pinguin-genannten Vögel sich jetzt hinquetschen müssen, kann man sich nicht mehr vorstellen, wie sie dort noch brüten sollen. Die extrem ovale Form des Trottellummen-Eis hin oder her – irgendwann ist ein Untergrund doch zu steil um dort noch ein Ei halten zu können.


Mehr Tölpel- als Lummenfelsen

Um 6:30 Uhr verlassen Jule, Ferdi und ich das Oberland, denn wir und Dani sind für heute auserwählte Angehörige der tollkühnen Crew der Aade. Wir schmeißen uns in Schale mit Gummistiefeln/Wathosen und Schwimmwesten und watscheln zum Anleger. Dort erwartet uns zu allererst wieder der Norbert aus dem fränkischen Eckental vor der eben eingelaufenen Atlantis und hält erst uns und dann auch noch die Besatzung der Aade mit seinen munteren Schwätzchen auf.

Endlich soll es aber doch losgehen. Dafür müssen wir erst einmal eine verdächtig rostige Leiter hinunterklettern auf die Schiffskante. Durch die Wathose beschränkt kann ich mich nicht genug verbiegen um auf den tatsächlichen Grund der Aade zu klettern. So greife ich nach einer Stange am Steuerhaus-Dach und baumle einige Sekunden total professionell in der Luft, bis ich mich traue die noch übrigen 15 cm herunterzufallen.

Eissturmvogel

Das Wetter ist eigentlich zu gut, kaum Wind, kaum Wellen. Man hätte doch seine Optik mitnehmen können (hätte – haben aber nicht. Keine Fotos). Irgendwann werden trotzdem meine Augen müde vom den Horizont anstarren und ich werde wieder seekrank. Im Kollektiv haben wir trotzdem beobachtet (außer dem täglichen Geschäft des Plankton-Fangens): Silbermöwen, Kormorane, Eiderenten, Basstölpel (leider nicht jagend), etwas gänseartiges in V-Formation.

Im Gespräch mit dem Kapitän offenbart sich: Dieser erkennt Ferdi ob seines einprägsamen quietschorangen Outfits wieder. Er erinnert sogar noch an so einen langhaarigen Kerl der ihn mit Fragen förmlich gelöchert hat. Ich setzte mich schließlich ins Steuerhaus und mache die Augen zu. Dann rutsche ich auf einem rosa Wölkchen auf und ab und die Seekrankheit kann mich mal am Popo.

Basstölpel im Gleitflug

Als wir wieder am Anleger vorm Labor ankommen, bin ich die einzige die froh drum ist. Die anderen würden gerne weiterfahren, aber irgendwer muss ja das Plankton zum Labor bringen. Leider hat uns niemand gesagt, dass wir davon gar nichts abbekommen und daher zwacken wir uns davon auch nichts für unser Labor ab.

Uns steht der Sinn im Moment nämlich mehr nach Fischbrötchen. Gierig laufen wir zur Fischbude. Aber leider hat die noch zu. Doof.
Gut, dann essen wir eben normales Frühstück im Gästehaus. Die anderen sind schon längst los zum Watt, wir haben also Zeit.

Erst einen Tag zuvor hatten wir im Plenum beschlossen, dass wir jeden Tag für jeden zwei Brötchen fürs Frühstück bestellen. Als wir in die Küche kommen stellen wir fest: Die gefräßige Meute hat sich alle 8 Brötchen, die für uns gedacht waren gleich miteinverleibt. Die könnten ja schlecht werden in den 2 Stunden. Sehr zuvorkommend.
Zum Glück finden wir noch etwas Brot, Toast, Marmelade und Weichkäse, hin und wieder in Kombination genossen.

Windrose weggebrochen

Während ich für 15-30 min im Zimmer verschwinde und mich flachlege, werden Ferdi und Maria verlobt, ihre Hochzeit auf Helgoland geplant und ausgerechnet ich als Fotograph gebucht. Das Leben ist wohl, was passiert, während man ein Nickerchen macht.
Gegen 11:00 erscheint uns der immer noch schwer mit seiner Grippe kämpfende Wolfgang in Bademantel mit viel Fieberschweiß auf der Stirn. Doofes Virengesocks! Gehört sich eingesperrt! Grippe auf Helgoland, total überflüssig!

Da die anderen noch immer im Felswatt umherschlurfen, gehen wir nochmal zur Fischbude und schlürfen dort Kräutermatjes, Fischfrikadellen, Bismarckhering und Garnelen in Mayonaise mit brötlicher Unterstützung ein. Wieder im Labor widmen wir uns dem dortigen Viechzeug oder in meinem Fall der Geologie und –graphie Helgolands bis der Rest wieder eintrifft. Damit möchte ich eigentlich fortfahren, gerade auch weil ich gnatschig bin, weil wir keine Zeit mehr hatten, Marabou-Salzlakritz-Schokolade einzukaufen.
Aber der gewattete Rest ist jetzt natürlich auch hungrig und deckt zu Mittag auf. Jule zwingt mich zum sozialisieren. Ich esse nichts. Aber immerhin entgeht mir so nicht Wolfgangs Geschichte vom Käsekauf in Wilhelmshaven. Dort hatte er auf dem Markt bei einem Käsehändler eine äußerst bunte Sammlung an Käsen erstanden, vom Händler auch sehr viel gelernt… aber auch schon wieder alles vergessen.

Die Mädels

Nach dem Mittagessen bekommen wir noch einmal Freizeit, um den Vogelfelsen zu erkunden. Jule und ich geben jedem der es hören will (v.a. Christie klebt uns förmlich an den Lippen) ein ausführliches Briefing über alles was man da oben so sehen kann – vom Vogel über Bombenkrater bis zu Schafen die über die Klippe stürzen. Wie ein solches Unglück ungefähr seinen Lauf nimmt, können wir sogar live beobachten (siehe Video) Auf dem Rückweg gehen wir noch im Duty-free-Shop vorbei und erstehen größere Mengen der bereits erwähnten göttlichen Schokolade.

Zurück im Labor versuche ich mich an einer Bryozoe, aber, es hört einfach nicht auf, kurz vorm Durchbruch ist schon wieder Essenszeit. Ab zur Jugendherberge, wo uns Frikadellen mit Kartoffelstampf und Ketchup erwarten. Wolfgang sieht unverändert schlecht aus, hat 38°C Fieber und wird von der ganzen Mannschaft wieder ins Bett komplimentiert.

Die letzte Etappe im Labor ist geprägt von der Diskussion, ob, wo und wie jetzt “Findet Nemo” angeguckt werden soll. Ingrid katalogisiert und bestimmt unermüdlich Algen am Schaumikroskop, Katha schaut schnulzige Filme und beteuert, die hätten was mit ihrer Hausaufgabe “Parzival” zu lesen zu tun und Jule kann es nicht mehr erwarten und öffnet die erste Packung Salzlakritzschoki. Ich bekomme was ab. Alles wieder gut.

Bett-nei: 23:00.

Sonntag, 10. Mai 2015

Libelle, Bergmolch und Co.: Exkursion zum Waldsee im Mai

Am 9. Mai 2015 gaben ich, die FÖJ-lern von 2012/13 und Jule Dummert eine Exkursion zum Waldsee im Schönberger Forst. Aufgrund diverser organisatorischer Schwierigkeiten hatte wohl niemand in Lauf davon erfahren und die paar Leute, die sich über Facebook angemeldet hatten, hatten uns auch vergessen.

So saßen wir mit Bestimmungsbüchern, Keschern, allerlei Schaugefäßen, sogar einem Mikroskop am Weg und die meisten Passanten guckten uns an, als wären wir dem Irrenhaus entlaufen oder wollten ihnen etwas verkaufen.

Zum Glück radelte schließlich ein sympathisches Vater-Sohn-Gespann um die Ecke und machte mit. Die folgenden 2 Stunden zeigten wir dem stattlichen jungen Herren von ganzen 6 Jahren was man alles finden kann, wenn man mal mit dem Kescher durchs Wasser fährt. Nach anfänglichen Berührungsängsten war sich unser Held schon bald nicht mehr zu schade, die spannenden nassen Wesen selbst aus dem Kescher zu klauben…

Bergmolch Männchen

Aus einem geheimen Tümpel, den nur die Tina finden kann, holten wir den tollsten Waldbewohner von allen und gewährten ihm eine kleine Sightseeing-Tour.

Bergmolch Männchen

Es handelt sich dabei um einen männlichen Bergmolch in Wassertracht. Denn das restliche Jahr leben Bergmolche gut versteckt an feucht-kühlen schattigen Plätzen, wo man sie nur noch mit außergewöhnlich viel Glück finden kann. Nur nachts wagt sich der Bergmolch aus seinem Versteck und geht auf die Jagd.

Bergmolch Männchen

Nur zur Paarungszeit im Frühjahr werfen Weibchen und besonders Männchen sich in Schale und treffen sich an einem geeigneten Gewässer – da ist der Bergmolch allerdings nicht sehr wählerisch. Darin klebt das Weibchen bis zu 250 Eier einzeln an Wasserpflanzen. Brutpflege betreibt es nicht, die nach spätestens 4 Wochen schlüpfenden Larven sind dann auf sich alleine gestellt. So weit war es natürlich noch lange nicht.
Unser kleiner Held des Tages lieferte daher den Bergmolch-Papa höchstpersönlich wieder bei der Bergmolch-Mama ab.

Bergmolch Männchen

Unter unseren Fängen befand sich auch eine Käferlarve. Dazu muss man wissen, dass Käferarten von allen weltweit bekannten Tierarten ein ganzes Viertel ausmachen! Aber nur 360 Arten von 8000 Käfern die bei uns vorkommen, erleben einen Teil ihres Lebens im Wasser.

Wasserkäferlarve

Zu den größten Bewohnern im Waldsee gehören auf jeden Fall die Larven von diversen Großlibellen. Wir fanden davon einige beeindruckende Exemplare. Wenn Du das Bild unten als Maßstab ansehen willst: Von der 5er-Markierung bis zur 10 liegt 1 cm. Insgesamt war das Tier etwa 2,5 cm groß.

Großlibellenlarve

Großlibellen erkennt man im Larvenstadium neben der schieren Größe vor allem daran, dass ihr Hinterleib pyramidenartig zugespitzt verläuft. Bei Kleinlibellen gehen davon nämlich zusätzlich drei Kiemenblättchen aus, mit denen die Larve atmet.

Großlibellenlarve

Bei der Großlibellenlarve findet die Atmung direkt im Hinterleib statt. Davon abgesehen kann die Großlibellenlarve, wenn ihr eine Situation zu heikel wird, das Wasser aus ihrem Hinterleib ausstoßen und so blitzschnell von der Gefahr wegsausen.

Großlibellenlarve

In ihrem wassergebundenen Leben als Larve macht die Libelle mehrere Häutungen durch. Jedes Mal sieht sie ein bisschen mehr wie ein Erwachsener aus, jedes Mal werden ihre Augen und Flügel, die sie später zu einem ausgezeichneten Flugjäger machen werden, größer.

Libelle Schlupf

Eines Tages, meist früh morgens, ist es so weit und die Larve klettert aus dem Wasser, einen stabilen Grashalm empor. Für jemanden, der sein ganzes Leben lang geschwommen ist, ist das Klettern anstrengend. Nach einer kleinen Ruhepause geschieht es dann: Die Haut an Kopf, Brust und Rücken bricht auf und langsam arbeitet sich das noch weiche, endlich erwachsene Tier aus ihrer letzten Larvenhaut heraus.

Libelle Schlupf

Sie kann dann noch längst nicht los fliegen. Ihre Flügel waren die ganze Zeit nur auf kleinstem Raum komprimiert. Sie muss sie erst mit ihren Körpersäften aufblasen. Auch das frische Chitin-Skelett muss erst an der frischen Luft aushärten, bevor sie irgendetwas anderes machen kann. Die sonst als so buntes Insekt bekannte Libelle ist bisher auch noch fast völlig farblos, die Farbe muss sich erst noch entwickeln.

Großlibellenlarve Exuvie

Weiter oben ist die Luft zum Aushärten besser, daher klettert sie langsam nach oben. Zurück bleibt ihre harte Larvenhaut, auf schlau heißt das Exuvie. Im Bild oben kannst Du weiße Fäden sehen – die stammen vom Atmungsorgan der Libelle, den Tracheen. Die Libelle hat als Insekt nämlich keine Lunge wie wir. Stattdessen sind diese Tracheen wie Wasserleitungen durch ihren Körper verlegt und versorgen ihre Zellen mit Sauerstoff.

Kleinlibellenlarve Exuvie

Im Bild oben siehst Du noch eine Exuvie einer Kleinlibelle – ihre Augen liegen nämlich weit voneinander getrennt auf den gegenüberliegenden Seiten des Kopfes. An diesem Bild besonders ist, dass Du gut die sogenannte “Fangmaske” sehen kannst. Als sie noch im Wasser gelebt hat, hat sie damit blitzschnell ihre Beute eingefangen – da will man keine Libellenbeute sein! (Wenn Du so eine Fangmaske in Aktion sehen willst, klicke hier)

Junge Smaragdlibelle

Die Bilder oben und unten zeigen eine Libelle, wahrscheinlich eine Smaragdlibelle, die schon ein paar Stunden länger aus ihrer letzten Haut geschlüpft ist. Man sieht bereits, wie sich die metallisch grüne Farbe entwickelt.

Junge Smaragdlibelle

Schon bald wird sie flugfähig sein und ihren Beobachter an ihre Vorfahren im Zeitalter des Karbon erinnern, als Libellen noch eine Spannweite um einen Meter hatten und durch riesige Wälder aus riesigen Schachtelhalmen und Bärlappen schwirrten.

Junge Smaragdlibelle

Gerade im Mai gedeiht im Waldsee des Schönberger Forsts eine Pflanze aus der Roten Liste – der Fieberklee. Seine flauschig aussehenden, rein weißen Blüten laden ein, ihn zu pflücken. Aber wegen seines Status als Rote-Liste Art darf er nicht gepflückt werden. Seinen Namen hat er aus der Zeit, als man noch glaubte, die Pflanze würde gegen Fieber helfen – das konnte die moderne Medizin aber nie nachweisen.

Fieberklee

Einer der häufigsten Fänge in unserem Kescher waren die Larven von Eintagsfliegen. Deren kurzes Leben als Erwachsener, das allerdings auch länger als einen Tag dauern kann, geht ein noch viel längeres Leben als Larve voraus (bis zu 3 Jahre!). Die Larven erkennt man an den (meistens) drei Schwanzanhängen und den paarigen Tracheenkiemenblättchen am Hinterleib.

Eintagsfliegenlarve

Nachdem uns das Vater-Sohn-Gespann, sichtlich mit dem Biologie-Virus angesteckt, verließ, machten Jule und ich uns auf zu einem anderen Gewässer in der Nähe: Dem Nessenbach. Dieser fließt durch das malerische Dörflein Schönberg hinein in einen sandigen “Steckerles-Wald”. Dort schlängelt er sich durch tiefe Schluchten, birgt an manchen Stellen sogar trügerischen Treibsand wie ich 2 Jahre zuvor am eigenen Leib spüren durfte.

An einer steinigeren Stelle gingen wir mit dem Nordländer und seinem komisch begabten Hund Dexter wieder auf die Suche.

Steinfliegenlarve

Und wir fanden endlich auch Steinfliegenlarven. Anders als die Eintagsfliegenlarven haben diese immer nur zwei Schwanzanhänge und tragen ihre Tracheenkiemen quasi in ihren Achseln. Außerdem fühlen sich die meisten Arten nur in sauerstoffreicheren, strömenden Gewässern wohl – im Waldsee würde man keine Steinfliegenlarven finden. Daher sind sie auch Zeigerorganismen für eine gute Wasserqualität.

Köcherfliegenlarve Fangnetz

Einen besonderer Fund siehst Du im oberen Bild: Dies ist das Fangnetz einer Köcherfliegenlarve. Diese Tiere bauen sich teilweise artspezifisch aus verschiedensten Materialen einen Bau direkt um ihren Körper herum, der wie ein Köcher aussieht. Unten siehst du eine Köcherfliegenlarve, der ihr Sand-Köcher beim Keschern verloren gegangen ist – das ist aber kein Problem, den baut sie sich einfach wieder neu.
An großen Steinen spinnt sie sich mit derselben Substanz, mit denen sie die Baumaterialien ihres Köchers zusammenhält ein Netz, ähnlich wie eine Spinne. Wer so unglücklich ist, von der Strömung dort hineingetragen zu werden, endet als nächste Mahlzeit einer Köcherfliegenlarve.

Köcherfliegenlarve ohne Köcher

Vielleicht hat dieser kleine Bild-geschmückte Text ja Dein Interesse geweckt – am 27. Juni um 10:15 treffen wir uns wieder mit hoffentlich ein paar mehr tollen Menschen und sehen nach, was sich im Waldsee in den letzten 6 Wochen alles getan hat!

(Anmeldung auf Facebook, https://www.facebook.com/events/1592489507652896/ und/oder telefonisch unter 015771918532)

Montag, 4. Mai 2015

Helgoland Exkursion 2015, Die Überfahrt

25. März gegen 5:00 Uhr.
Ich befinde mich offensichtlich noch im Tiefschlaf und bekomme keine der üblicherweise mehreren Runden Vogelguckwecker mit. Erst als Jule das Licht an macht, erwache ich mit derben Kopfschmerzen. Ist wohl so eine Art umgekehrter Hitzeschlag vom textilbefreiteren Abend zuvor – eine Art Hirnfrost ohne Milchshake.

Während Jule also alleine rausgeht und einen verträumten Steinwälzer beobachtet, der jedes Mal verpasst, wenn der Schwarm weiterfliegt, schlafe ich noch eine gute dreiviertel Stunde weiter bis es Frühstückszeit ist.
Ich versuche nach Kräften noch so viel wie möglich guten Dani-Kuchen zu essen, bevor dieser im Müll verschwindet.

Darauf folgt einer der geordnetsten Abzüge, die ich je mit der Stammbesetzung der Meeresbiologieexkursionen miterleben durfte. Die abendlichen Überstunden haben sich bezahlt gemacht. Auf geht’s zum schönen Cuxhaven!
Ich, der offizielle, unübertreffliche, unglaubliche Bus-DJ, lege den “Fluch der Karibik”-Soundtrack auf -

Diverse Gesichter im Bus nehmen einen ernsten Ausdruck an. Man ist entschlossen, abenteuerlustig. Wie die Gischt in einem schlimmen Sturm auf See klatscht Regen an die Busscheiben. Dramatik pur! Wir wollen statt auf einem motorisierten Stahlschwimmkörper mit einem hölzernen Segelschiff zur Insel übersetzen. Am besten unter schwarzer Flagge.

Die Atmosphäre wird je gestört, als man ein dumpfes Grollen hört. Der Rest der Mannschaft wurde nicht gefragt, Fluch der Karibik wurde fortgejagt. Ferdi fordert den Ordner “Mitsingshit”. Dort hatte ich diverse vertonte Kinderlieder hinterlegt. Die Abenteuerstimmung weicht wieder dem Wahnsinn. Die Textsicherheit ist überraschend bombastisch.

Wir erreichen die gute Alte Liebe und erblicken die noch immer nicht gesunkene Atlantis. Ein Matrose aus der fränkischen Heimat v.a. Jules erwartet uns und ist ganz aus dem Häuschen. Als besondere Gefälligkeit, müssen wir unser Geraffel nicht einzeln über die Zugangsrampe und dann durch das atlantische Labyrinth zum Gepäckplatz tragen. Das Gepäck wird stattdessen von seinen Kollegen über eine Tür auf so hochabenteuerliche Weise ins Schiff geschleudert, dass man gar nicht hingucken möchte.

Anschließend entern wir die Eingeweide der Fähre und belegen aus alter Tradition die Langbank-Plätze. Die sind am besten geeignet, um seekranke Landratten über den Umweg durch Morpheus’ Reich zur heiligen Insel zu befördern. Ebenso aus alter Tradition muss aber auch stets beobachtet werden, wie sich das Festland in der Ferne verliert.

Tschüss Cuxhaven!

Nach etwa 2-3 Stunden Fahrt, die ich aufgrund geringen Wellengangs ohne viel Übelkeit überstehe, gelangen wir im Helgoländer Hafen an. So ruppig das Gepäck aufs Schiff gelangt ist – es kommt doppelt so ruppig wieder herunter. Teilweise landet es haarscharf nicht im Wasser.

Die erste Anlaufstelle ist das Labor, wo wir unser Laborgepäck direkt einlagern. Bald ist auch das persönliche Gepäck am Wilhelm-Mielck-Gästehaus angekommen. Wir gehen ihm nach und belegen unsere tollen renovierten Doppelzimmer die, obwohl kaum halb so groß, eigentlich viel funktioneller und angenehmer aufgeteilt sind als die in Wilhelmshaven.

Helgoland Labor Bildschirme

Dem Großteil des Trupps verlangt es nach einer Kaffee-Kuchen-Pause. Jule, mich und Ferdi mit leichter Verspätung, verzehrt es nur nach dem Vogelfelsen. Uns wurde nur eine Stunde Zeit angeordnet, also erleben wir im Zeitraffer:

Spielende Kegelrobben, Amseln, Stare, Haus-Sperlinge, Buchfinken, Rotdrosseln, Austernfischer, Rabenkrähen, Eiderenten, Silbermöwen, Dreizehenmöwen, Heringsmöwen,Trottellummen, Basstölpel, und Eissturmvögel.

Außerdem entdecken wir drei, die wir das letzte Mal vor zwei Jahren hier waren, dass die schöne Windrosen-Aussichtsplattform im Norden der Insel den Naturgewalten (naja, teilweise anthropogen) zum Opfer gefallen war.

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Was im linken Bild zum Dezember mit einem unscheinbaren Riss begann, endete am 12.12.2014 mit dem Abbruch eines riesigen Stückes unserer Lieblingsinsel. Vom Felswatt aus gesehen, bleibt davon nicht mehr als das:

Felswatt Helgoland Abbruch Windrose

Wir hechten die 60 m tiefe Treppe wieder hinunter, kaum das wir hinaufgehechelt waren, kommen wieder zurück zum Gästehaus und entdecken die Mannschaft immer noch behäbig speisend und schlürfend. Allerdings ist nur noch Kaffee übrig von der eisernen Ration. Welch ein Glück, dass wir die vergangenen zwei Tage so stark zugefüttert worden waren.

Weitere 45 min später sind wir wieder im Labor. Organisation. Das spätere Trio infernale, Ferdi, Jule, Dani und ich dürfen als erstes auf das Algenfischerboot Aade. Lea bekommt den Titel “André mit Sozialkomponente”, lässt sich ihren Stolz aber nicht ansehen. Die Hälterungsbecken werden vorbereitet und die Hamburger Studenten, die unser Stammlabor belegen, übergeben vor ihrer Abreise noch spannendes Material an uns weiter. Darunter einiges, was ich bisher zumindest auf Helgoland noch nicht im Labor hatte, z.B. Sepien, Pferdeaktinien und eine Seenadel. Wer wann welches Referat halten soll wird lose festgehalten.

Seenadel

Um 18:00 Uhr gibt es Abendessen in der Jugendherberge. Wir kredenzen Reis mit Geschnetzeltem- und Gemüsesoße und klauen etwas von dem interessanten Eiersalat der anderen Jugendherbergsgäste (das geht in Ordnung, die klauen noch viel mehr!). Während das Ungeheuer Teeexperimente durchführt, stellen sich andere ihren Ängsten vor reudigen Tierpräparaten oder den Weiten des Weltalls, was besonders Neurologen sehr spannend finden.

Die Nachspielzeit im Labor verbringe ich mit der mich fesselnden Recherche nach der Geologie von Helgoland. Ich hatte darüber vor 4 Jahren an selber Stelle ein Referat gehalten und da dieses wichtige Thema sonst nicht vergeben wurde, wollte ich das spontan wieder anbieten. Interessierte finden die Powerpoint dazu hier.

Ansonsten ist man Allgemein recht fertig. Außer dem geschäftigen Bearbeiten des bereits vorhandenen Materials werden diverse Videos aus den Tiefen des Internets hervorgeholt. Da sie so genial waren, möchte ich sie euch hier verlinken.

Das folgende passt auch sehr gut zu den Allgemein während der Exkursion getroffenen Schlussfolgerungen über die Natur: Insbesondere zum Thema des konventionellen Anbaus von Windkraftanlagen, da zur Ernte hin und wieder domestizierte Verwandte dieser selten werdenden Naturwunder eingesetzt werden:

So. Das war alles, was es zum Tag der großen Ankunft auf der Insel zu erzählen gab – zumindest was mein eigenes Tagebuch hergibt. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Ich hoffe ich habe euch nicht mit zu viel Fremd-Youtube-Material gelangweilt. Aber es war episch und darf hier nicht fehlen.

Vielen Dank fürs Weiterlesen! Bald geht es weiter!

Euer Tinschen