Donnerstag, 26. März 2015

Helgoland Exkursion 2015, Erste Etappe: Wilhelmshaven

21.3.2015, ~ 01:00 Uhr: Ankunft bei Jule

Ich war nach meiner Vogelexkursion von 51°31'53.8"N 11°54'54.3"E nach 51°32'08.6"N 11°52'54.1"E und zurück gegen 21:00 Uhr zurückgekommen. Trotz bereits vorhandener Müdigkeit entschied ich mich, doch noch am selben Abend zu meiner liebsten Jule auf der Welt zu fahren – ansonsten hätte ich etwa gegen 04:00 Uhr wieder aufstehen müssen und ob ich da wacher gewesen wäre wage ich zu bezweifeln.

Bei Jule angekommen wurde mir ausgezeichnete Nürnberger Quiche mit Holunderblüten-Sirup-Schorle aus dem eigenen Garten vorgesetzt die ich gierig verschlang. Später als beabsichtigt begab man sich zu Bett.

IMG_0006 Polychät Laich

Der Laich von *wahrscheinlich* einem Polychäten, vielleicht Lanice spec.,
weil in einem Schleimbeutel, eventuell war es aber auch Schneckenlaich

 

22.3.15 - 07:00 Uhr: Wieder aus dem Bett

Zum Frühstück gab es noch einmal Nürnberger Quiche, anschließend wurden letzte Essensreste der Verwandtschaft übergeben und um

9:00 Uhr: Abfahrt aus Erlangen gen Norden

Ich wurde vom weisen Ferdinand zum Exkursions-Bus-DJ ernannt, der von Anfang an an meinen exzentrischen Musikgeschmack geglaubt hat. So verwöhnten u.a. die sanften Klänge von “Die Schlümpfe – Alles Banane / Tekkno ist cool”, “Till und Obel – Auf der doofen Seite der Macht” und alte Exkursionsklassiker wie “Juliane Werding – Der Tag als Conny Kramer starb” und “Falco – Mutter, der Mann mit dem Koks ist da” unsere Ohren. “Gänsehaut – Karl der Käfer” hätte das Zeug zum Exkursions-Theme-Song gehabt, aber es war doch ein wenig zu traurig. (Ich würde Links liefern, aber das EduRoam-Netz ist sehr fragil – wird nach Möglichkeit nachgereicht. Solange suchs Dir doch selbst, lieber Leser!)

IMG_0005 Seepocke Rückseite

Von der Hafenmauer abgekratzte Seepocke. Zu sehen ist die Rückseite, die einem normalerweise verborgen bleibt.

16:00 Uhr: Ankunft im Unterkunftshaus der Senckenberg
(53°30'33.6"N 8°07'18.4"E)

Nach der für diese Exkursionen obligatorischen Kaffee&Kuchen-Pausen (D. und Kg haben für die Exkursion lecker Kuchen & Muffins gebacken) und ein bisschen Orga fährt ein Trupp zum Anleger bei 53°30'48.0"N 8°08'54.6"E um dort Tiere zum Untersuchen und Meerwasser für selbige zu besorgen. Mit einem Kratzkescher wird der Belag an der Hafenmauer abgekratzt und in ein Transportgefäß überführt. Dabei muss man aufpassen, dass man möglichst wenig Wasser mitnimmt, weil das Herumschwappen beim Transport viel schädlicher für die Tiere ist als ein paar Minuten Trockenheit. Denn die meisten Tiere machen dann wie die rote Anemone (leider bisher noch unbestimmt) hier drunter im Bild erst einmal dicht und sind noch für eine gewisse Zeit von einer schützenden gallertartigen Hülle umgeben.

Diadumene cincta - Hafenrose trocken

Wegen Trockenheit eingezogene Anemone Diadumene cincta - Hafenrose auf einer Auster

Weil so eine trockene Anemone eher aussieht wie ein blutiger Popel und im Wasser durch ihre Radiärsymmetrie viel ästhetischer rüberkommt, habe ich mich das erste Mal mit Küvettenfotographie versucht. Dafür braucht man ein kleines Aquarium (=> Küvette) und sauberes Meerwasser. Letzteres war aber in unseren selbstbefüllten Kanistern nicht gerade in der richtigen Klarheit vorhanden. Daher bekam ich noch einen Trichter und Filterpapier in die Hand gedrückt. Vom Kanister schüttet man dann Meerwasser in ein großes Becherglas (~1-2 l) und lässt dieses erst einmal ein bisschen stehen, so dass schwerere “Dreckpartikel” sich zum Boden absenken. Dann schüttet man vorsichtig in ein kleineres Becherglas (0,5 l), da man da weniger kleckert (Meerwasser korrodiert alles mögliche und macht selbst das beste Labor kaputt wenn man nicht aufpasst) und von dort aus schüttet man nach und nach in den Filter. Kann etwas dauern!

Aber die Geduld zahlt sich aus!
Wenn genug Wasser in der Küvette ist, dass die Kamera ein Bild ohne Wasserränder machen kann, stellt man noch einen dunklen Hintergrund in die Küvette – gut eignen sich dafür Schieferplatten – und schließlich das Fotomodell:

Diadumene cincta - Hafenrose

Diadumene cincta - Hafenrose, jetzt in “voller Blüte”. Schön zu sehen die Tentakelkrone, mit der sie ihre Nahrung fängt und der “Fuß” mit dem sie auch über den Untergrund, hier eine Auster, wandern kann.

Für eine diffuse bzw. natürlich wirkende Belichtung kann man mit einem Tuch sorgen, dass man um die Küvette legt. Ein Stativ ist unbedingt für scharfe Aufnahmen erforderlich! Bei Tieren die sich wahrnehmbar schnell bewegen sollte man außerdem für ausreichend Licht sorgen, weil das Bild sonst unscharf wird. Oft kommt es vor, dass sich noch Luftblasen an der Glasfläche kleben. Diese schabt man am besten mit einer Pasteurpipette (Plastik!) von unten nach oben ab.

20:30 Uhr: Abendessen – Salat & Brotzeit-Büffet

Das Küchenteam setzt schon am ersten Abend einen hohen Standard – und dabei handelt es sich nur um ansprechend auf Tellern angeordnete Brotbeläge und drei verschiedenen Soßen für den variantenreich zusammensetzbaren Salat.

Die Unterkunft ist noch immer so gut wie in meiner Erinnerung: Sauber und geräumig. Je zwei Doppelzimmer teilen sich eine kommunizierende Toilette. Das führt auch mal zu Problemen, wenn das Gegenzimmer nach Benutzung vergisst, die Toilette wieder beide Türschlösser zu öffnen. Leider gibt es auch nur einen Schreibtisch bei zwei Betten. Aber wir sind ja auch nur drei Tage da. Das einzige was ich jetzt – wo ich schon auf Lummenland weile – dort wirklich vermisse ist die Dusche. Die war nämlich “normal” und hatte nicht so Klassenfahrt-Schwimmbad-Flair. Aber hey, fühlt man sich wieder jung!

Ab ins Bett. Ich fange im Geiste der Exkursion an, Darwins Reisebericht über seine Fahrt auf der Beagle zu lesen und bereite mich schon einmal mental auf meinen Hang zur Seekrankheit vor. Wer’s nicht weiß, der Charles ist damals auch schwer seekrank gewesen und trotzdem viele Jahre auf einem typischen Holzschiff über den Globus geschippert und hat dabei noch alles was er gefunden hat aufgeschrieben. Ich kann nicht mal auf einem modernen Schiff einen Satz lesen ohne dass mir flau im Magen wird.

Ende des ersten Teils meines Reiseberichts. Ich danke für die Aufmerksamkeit! Der nächste Streich folgt…