Montag, 13. Januar 2014

Tinschen in Fronkreisch–Teil 3

Am 2. September brachen wir nach einem Frühstück in einer Großbäckerei mit Croissants und Pain au chocolat auf nach Croisic. Dort gibt es ein ausgezeichnetes Aquarium, das im Gegensatz zum viel bekannteren Aquarium in Brest ausgezeichnet in Schuss gehalten wird und wohl auch forschungstechnisch nicht zu verachten ist. Die Tafeln (hab ich alllllle abfotographiert, vielleicht hab ich ja zuhause mal Zeit, alle zu lesen – der Münchner Zoo könnte sich davon jedenfalls mal ordentlich was von abschneiden!) zu jedem Aquarium waren allesamt sehr liebevoll gestaltet und die Aquarien selbst waren ebenso liebevoll natürlichen wie menschlich beeinflussten Lebensräumen nachempfunden.
Tunnelaquarium Croisic
Auch ein Tunnelaquarium befand sich im Repertoir des Océariums Croisic – ohne lässt sich ja anscheinend heute kein Tourist mehr hereinlocken.
King of Crabs
Durch den Hauptteil des Aquariums bekamen wir eine sehr schöne, informative Führung, die aber dann zur Mittagsstunde abgebrochen wurde. Das Aquarium verfügt nämlich auch über ein Humboldt-Pinguin-Gehege. Und die Pinguine wollen auf den Punkt ihre tägliche Ration Sardinen serviert bekommen. Wir beobachteten das Spektakel und Tobi durfte auch einmal eine Sardine den Pinguinen zum Fraß vorwerfen.
Omma Muräne
Danach sahen wir uns das restliche Aquarium an. Es verfügte noch über zwei weitere große Bereiche. Zum einen war da eine Ausstellung mit dem Titel Vancouver zu sehen und deren typische Unterwasserwelt. Diese ging dann auch über in eine etwas karibischere Tierwelt mit krass bunten Fischlies – darunter natürlich auch wieder das obligatorische “Findet Nemo-Becken” ohne das der 0815-Besucher nicht glücklich wird.
Cherche Nemo!
Chelmon rostratus
Pterapogon kauderni





Besonders beeindruckend ist auch die letzte Ausstellungshalle im Océarium Croisic. Dieses steht unter dem Motto Australien, zeigt aber hauptsächlich ein riiiiiiiiiiiiiiieeeeeesiges Haifischbecken. Außerdem hängt ein riesiger Walhai in Originalgröße an der Decke und an der Wand sind ebenso in Originalgröße die Silhouetten weiterer bekannter Haiarten aufgemalt. Wie groß der doch gar nicht so böse weiße Hai wirklich ist, wird einem erst da bewusst.
Haifischbecken Croisic
Nach den wenigen, aber schönen Stunden im Aquarium ging es weiter zur letzten Zwischenstation in Quimper. Auf dem Weg dort hin hielten wir auch noch an einer Saline an, wo sich der ein oder andere ein Päckchen Fleur de sel besorgte. An einer Bootsschleuse betrachteten wir eine immer größer werdende Autoschlange, die sich an einer nach oben geklappten Brücke staute und vermampften dazu unsere Vorräte. Wir konnten es aber nach dem Aquarium nicht mehr erwarten, endlich an einem Strand Meeresbiologie zu betreiben, also machten wir einen Abstecher von der Hauptroute weg, etwa 5 min, zu einem kleinen Felsstrand.
Obelisk am Meer
Dort fand ich schnell eine hübsche Auswahl typischer Halophyten, für die ich mich ja schon seit Kroatien und spätestens auch seit Helgoland besonders interessiere. Der ein oder andere probierte auch die Wassertemperatur einmal aus, besonders wurde sich aber mit den Gezeitentümpeln beschäftigt. Da wir vorher nicht gefragt hatten, ob wir überhaupt einen Abstecher machen dürfen, schrieben wir uns auch alles, was wir am Strand fanden, akribisch auf. Es sollte uns niemand vorwerfen können, wir hätten da keine Wissenschaft betrieben sondern uns nur unwissenschaftlich vergnügt.
Abends, zurück am F1, das wir als Strafe erst viel später betreten durften, verköstigten wir dann noch verschiedene Sorten Cidre und weitere lokale Spezialitäten, die wir auf dem Weg eingekauft hatten. Am besten schmeckte uns der Kompromiss-Cidre, der zwischen ganz süß und ganz gammlig lag.
Achja, noch eine Warnung / Empfehlung: An diesem Abend gingen wir alle zusammen noch einmal in einen Flunch zum flunchen. Ein Teil der Truppe hatte in der Filiale von Trignac ja schon dort ihr Abendessen zu sich genommen. Diese hatten allesamt geschwärmt von den All-you-can-eat-Miesmuscheln und dem Wein. Ich persönlich mag keine Muscheln mehr – irgendwie kann ich mich einfach nicht überwinden Viecher im Ganzen zu verfuttern.. ganz davon abgesehen das besonders Miesmuscheln die Filter der Meeresküste sind und dementsprechend voll mit giftigen Schwermetallen und was man sich sonst auch nie freiwillig zuführen wollte. Jedenfalls: Wer Muscheln mag, ist dort sicher gut aufgehoben. Alles andere ist genauso ekeliger Kantinenfraß wie man es aus Deutschland kennt. Es gibt All-you-can-eat totgekochtes Einmachgemüse um die 15°C, nur alle halbe Stunde noch warme Pommes und einen Wasserspender zum nachschenken. Die Hauptgerichte neben den Muscheln sind genauso glutamatig wie zuhause. Alles tolerierbar, wenn man nicht nach Frankreich gekommen ist, um zu schlemmen. Tut euch allerdings einen Gefallen und geht im Hypermarché selbst auf die Toilette. Denn Flunchtoiletten befinden sich vom Comfortlevel her noch unter der typischen Raststättentoilette – und damit meine ich nicht Sanifair sondern die kleinen Häuschen an den Ausfahrten ohne Tankstelle.
Genuch!
Bis nächstes Mal! 

Sonntag, 12. Januar 2014

Tinschen in Fronkreisch–Teil 5

Heute endlich sollte es so weit sein, wir waren endlich reif für die Insel. Doch noch waren wir noch bei weitem nicht in der Nähe unseres Anlegers. Lieber Leser, vielleicht fragst du dich ja sowieso schon sein geraumer Zeit, wo zur Hölle wir überhaupt waren!

Du sollst nicht weiter im Dunkeln tappen!

Hier unsere gesamte Strecke (zum genauer anschauen einfach anklicken Smiley  - ich hoffe zumindest, dass das funktioniert.. ansonsten müsst ihr euch die Karte leider selber bauen…)

Karte

Zuletzt waren wir von Quimper nach Point du Raz gefahren, von wo aus wir abends wieder ins selbe F1 nach Quimper zurückfuhren. Wenigstens einmal zwei Nächte im selben Hotel zu verbringen war eine Wohltat – einmal nicht peinlichst darauf achten, nicht zu viel auszupacken, was am nächsten Morgen wieder eingepackt werden muss.

Zurück in den Lauf der Geschichte. An diesem Morgen machten wir uns wie gesagt endlich auf nach Bailleron – aber wie immer nicht auf direktem Wege. Zuerst einmal war es wieder unbedingt nötig, dass alle Kaffeezombies versorgt wurden. Da dies am Vortag im Quimper’schen Gewerbegebiet aussichtslos gewesen war und weil einer unserer Mitreisenden für einen Routineeingriff (Fadenziehen) einen Kurztripp ins Krankenhaus machen musste, hielten wir auf dem Weg zu unserem Zwischenziel in der Nähe einer hübschen kleinen Kirche – die zufälligerweise ein offenes Café als Nachbar hatte und von der leider niemand ein Foto gemacht hat. Unser Professor klärte uns über die architektonischen Besonderheiten der Kirche auf, die offenbar direkt über eine alte bretonische Kultstätte gebaut wurde. Den alten Bretonen nämlich waren Quellen heilig und an einer Seite der Kirche war eine Vertiefung eingelassen, von wo aus ein wenig Wasser woanders hin versickerte. Als wir die Kirche rundum beobachteten sprach uns ein Franzose an. Leider konnte keiner sich ihm verständlich machen und so überwand ich auf wundersame Weise meine Sprachblockade und sprach plötzlich beinah fließend französisch. Mit vereinten Kräften erfuhren wir, dass heute eine Hochzeit in der Kirche stattfinden würde und dass die Kirche deswegen wieder so wunderschön aussähe, weil sie vor kurzem renoviert wurde. Das Geld war 50:50 vom Staat und von der Gemeinde gekommen und der Verfall hatte irgendetwas mit durch Flechten verwitterten Stein zu tun.

Carnac Schwalbenschwanz

Als wir endlich wieder alle beisammen waren, ging es endlich weiter ins sagenumwobene Carnac wo das noch sagenhaftere Hinkelsteinlager von Obelix steht – wenn man den Comics glauben schenken mag. So überzeugend wie jede andere Theorie, warum genau an dieser Stelle in dieser Anordnung so viele Menhire stehen, ist die Theorie vom Hinkelsteinlager allemal. Da ich ja mittlerweile durch Zufall schon ein richtige Menhirexperte bin  könnt ihr meiner Einschätzung ruhig Glauben schenken Zwinkerndes Smiley :

Ich habe im Rahmen einer Studienfahrt des Englisch LKs in meiner Schulzeit schon die weltberühmte Stonehenge bei Salisbury und auch die eher unbekannte Avebury Henge besucht, habe den Silbury Hill sowie den White Horse Hill gesehen und da ich jetzt in Halle wohne, konnte ich mich auch eines Besuchs des dortigen Museums für Natur- und Frühgeschichte, wo u.a. die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt ist, nicht erwehren – die Scheibe hat übrigens ungefähr die Größe einer mittelgroßen Pizza. Ich denke, alles war seine Reise wert. Auch wenn man nicht an so spirituelles Energiegedöns glaubt, beim Anblick dieser rätselhaften Bauwerke erfüllt einen ein irres Gefühl von Ehrfurcht.

Carnac Menhire

Nachdem wir alle mal einen Stein angefasst oder umarmt und auch andere komische Vögel gesehen hatte, ging es wieder eine Station weiter – in einen Hypermarché, denn auf unserer kleinen, einsamen Insel gibt es natürlich keinen Supermarkt (und nur von Meersalat, Schnecken und Muscheln kann man sich ja auch nicht ernähren – aber da mag es Ausnahmen geben).

Diesen vorerst letzten Besuch in der modernen Zivilisation genossen wir besonders (den Trend moderner Zivilisation zu Platzmangel erfuhren wir allerdings schon bei der Einfahrt zum Parkhaus. Unsere Fahrer mussten unsere Gefährte mit höchster Präzision irgendwie unter den Höhenbegrenzungsschildern durch bekommen, ohne oben anzuecken…) . In so einem Hypermarché oder Carrefour gibt es eben einfach alles. In diesem fand ich sogar eine Käsetheke mit Käse zum Probieren. Auf einem Tellerchen gab es einen Camenbert mit Orangen-Champagnerkruste (oder so Zwinkerndes Smiley). Es gab auch ein Regionalregal mit angeblich original bretonischen Spezialitäten. Dass das nicht immer so wirklich der Fall war, erfuhren wir erst später. Jeder deckte sich mit ein paar Flaschen Cidre für kalte Abende ein, hauptsächlich aber natürlich auch mit anderen Privatleckereien. In Frankreich kann man sich schließlich allein 80% des Sortiments eines Süßigkeitenregals einpacken, wenn man nach der Maxime geht, dass man nur Sachen mitnimmt, die man noch nicht kennt. Neben derlei Dingen landeten in unserem Privateinkaufswagen auch noch diverse Salamis, Ziegenkäse, Tomaten und frisch gepresster Orangensaft. Nach viel zu kurzer Entscheidungzeit ging es dann weiter.

IMG_6042

Wir parkten schließlich ungefähr bei diesen Koordinaten

+47°35'23.58",

-2°43'13.32"

(lustig, das mit Google Street View anzugucken), packten unseren Kram aus den Autos und warteten auf unseren “Fährmann” Lionell, dem Hausmeister, Fischer, Forschungsassistent – kurz – Mädchen für alles von Bailleron. Und ein verdammt gut aussehender Franzose – wohl um die 40 - noch dazu ;D

Endlich kam er mit dem Boot an und die erste Fuhre Gepäck und Leute machte sich auf den Weg, ich mit dabei. Wir sollten den schwersten Sachen vom Inselsteg zum Wohnhaus bringen. Ausnahmsweise wurde mir vom Herumschippern mal nicht schlecht – vielleicht weil ich dieses Mal kein schleimiges Getier vom Boden aufsammeln musste.

Ile Tascon

Wir passierten die Île Tascon…

Île de Bailleron

… und erreichten schließlich unser neues Zuhause für die nächsten 7 Tage. Dort bezogen Tobi und ich den ehemaligen Taubenschlag des Wohnhauses – wir danken Ina für ihren Einsatz dafür Zwinkerndes Smiley .

Frohlockende Taube

Seit die Insel zur Forschungsstation umgebaut wurde, ist der Raum natürlich entsprechend renoviert und für Tauben unzugänglich gemacht worden!
Man roch auch fast nichts von der Vergangenheit (Geistertaubenkot?).
Heute heißt er “Nautilusraum” und ist eigentlich für die Professoren reserviert. Ein Bild davon zum Abschluss…

Bald geht’s weiter!

Samstag, 11. Januar 2014

Tinschen in Fronkreisch–Teil 4

Am 3. September stiegen wir morgens wieder alle in unsere Autos, um bei einem Bäcker zu frühstücken. Allerdings gab es beim einzigen Bäcker in der Nähe keinen Café und in diesem Teil von Frankreich schien wohl auch keiner Wert auf ein McFrühstück zu legen – kurzum, wir befanden uns in einer Kaffeewüste, dem Albtraum unserer vielen Kaffeesüchtigen. Daher fuhren wir dann auch alle wieder zurück zum Hotel, wo sich die Verdurstenden an viel zu wenig viel zu teurem Automatenkaffee stärkten. Kaffeeverweigerer wie ich hätten also eigentlich noch mindestens eine dreiviertel Stunde länger schlafen können – das wäre meine Art, die Wirkungsweise von Kaffee nachzuahmen.
Asplenium scolopendrium, Hirschzunge (das flächige)
Auf dem Tagesplan steht heute ein Besuch des “Point du Raz”. Dort hatte die Luftwaffe der Nazis damals einen Stützpunkt namens “Station Renntier” aufgebaut. Ob das falsche Doppel-n im Namen Absicht (alte Rechtschreibung?)  war oder die Franzosen sich verschrieben hatten? Jedenfalls war auf dieser “Station Renntier” eine sehr leistungsfähiges Such-Radar namens Freya eingebaut, bestehend aus zwei verschiedenen Radar-Techniken, die verschiedene Wellenbereiche abdeckten. Die Radaranlagen der Alliierten waren dagegen fast blind. Geschützt wurde die Anlage durch mehrere Flugabwehrkanonen (=Flaks, danke Niels *g*). Der Betonschutzbunker, auf oder unter dem die Anlage stand, dient heute nur noch als Aussichtsplattform für Touristen.
Diese betraten wir dann auch und gingen von dort aus weiter zur “Insel der Seelen” (im Bild am Horizont).
Point du Raz Insel der Seelen
Die Franzosen sind der Ansicht, dass diese Insel das tatsächliche Avalon gewesen sein soll… Wer mehr darüber erfahren will, hier habe ich eine ganz schöne Zusammenfassung der Sagen gefunden, die sich um dieses herrliche Stück Land&Meer ranken.
Mit Blick auf diese Insel und die Leuchttürme nahmen wir ein Mittagsmahl zu uns. Danach setzten wir unsere Wanderung fort zur Bucht der Seelen, wo die Seelen der Ertrunkenen einmal im Jahr zum 1. November anlanden sollen.
Auf dem Weg fotographierten wir diverses Grün- und Viechzeug.Kreuzspinne unbestimmt ventral
Die Vegetation war beherrscht von Sträuchern des Stechginsters und Grauer Heide – die wiederum aber hier und da von einer parasitischen Pflanze beherrscht wurden, der Kleeseide. Die hielt man auf den ersten Blick nicht mal für eine Pflanze sondern eher für so etwas wie von Vögeln angeschleppte Fischernetze.
Kleeseide
In einer kleinen Zwischenbuch entdeckten Tobi und Jule tatsächlich ein paar Alpenkrähen. Dass davon hier einige leben sollten, hatten wir schon gerüchteweise von unserer Professorin gehört. Der Schrei der schwarzen, diese Bucht bevölkernden Vögel erinnerte uns an eine gewöhnliche Dohle  – allerdings höher und schriller. Letzte Sicherheit brachte ein Blick durch Fernglas oder Teleobjektiv: Die Vögel waren anders als Dohlen durchgehend schwarz und sie hatten vor allem ganz klar rote, gebogene Schnäbel.
Alpenkrähe
Wir trafen auch einen alten Bekannten aus Kroatien wieder: Den Dornfinger (siehe dieser Blogpost) Damals hatten wir ausschließlich Männchen gefangen, die von “ihrer Alten rausgeschmissen” worden waren. Hier an den Klippen dagegen fanden wir mehrere Weibchen, die sich ihre Behausung aus vertrocknetem Adlerfarnblättern und Spinnenseide zurechtgebogen hatten. Wirklich sehr stabil!
Dornfinger Weibchen mit Eiballen Cheiracanthium punctorium
Irgendwann gelangten wir endlich in die Bucht der Seelen (der hübsche Sandstrand hinten im Bild):Point du Raz Bucht der Seelen
In Klammer besagter Sandstrand wurde von der Truppe ordnungsgemäß genutzt als willkommene Abkühlung. Kleine Monster machten sich einen besonders großen Spaß daraus, die übrigen nasszuspritzen. Meine drei Tage alten pinken Socken* genossen eine UV-Desinfektion. Aber die Hardcorebiologen unter uns widmeten sich natürlich auch den angeschwemmten Algen.
flächige Rotalge unbestimmt
Der diffizile Abstieg hinunter zur Bucht beanspruchte das bereits angeschlagene Knie unseres Professors leider so sehr, dass unser Plan, die Strecke zum Point du Raz zurückzuwandern durch einen neuen ersetzt wurde. Nun gingen nur ein paar liebe Leute den Weg zurück zu unseren Autos um dann alle am Strand abzuholen. An selbigen wartete der Rest auf der Veranda eines hübschen kleinen Hotels mit Bar, die doch recht teure Getränke ausschenkte. Das Wort “Diabolo” auf der Getränkekarte zog mich in seinen Bann und ich bestellte es mit ich glaube Maracujageschmack. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um gekühltes Mineralwasser mit einem Schuss Sirup handelte. Genau das hatte ich jetzt gebraucht!976797_422878171167278_1116045821_o


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* So lief ich zu diesem Zeitpunkt schon seit 5 Tagen herum, da mir niemand gesagt hatte, dass wir bis Bailleron nur mit Handgepäck im Bus reisen würden – weswegen ich in meinem Handgepäck keine Klamotten zugefügt hatte. Aus dem selben Grund hatte ich auch nach einem GFC-Gig am Vortag der Abreise nichts zum Umziehen nach dem Auftritt dabei…

Freitag, 10. Januar 2014

Tinschen in Fronkreisch–Teil 2

Die Innenstadt von Chartres machten wir am 1. September ein wenig unsicherer.Notre dame von Chartres

Da direkt zum Zeitpunkt unserer zugegeben frühen Ankunft noch kein einziger Laden offen hatte, besichtigten wir zuerst einmal die schöne Kathedrale, die wie so viele in Frankreich ihrer gotischen Bauweise gemäß “Notre dame” genannt wird.

Chartres Notre dame Innen ÜbergangDiese hier soll wohl so eine Art Prototyp gewesen sein.
(Ich sitze aber während ich das hier schreibe schon auf Bailleron und habe dort keinen Internetzugang und ausschließlich biologische Literatur zur Verfügung). Auf jeden Fall wird die Kathedrale gerade renoviert, wodurch man auch recht eindrucksvoll den Unterschied zwischen alt und neu betrachten konnte.

Gerade heute und circa eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen war eine Messe angesetzt. Fluchtartig verließen wir die heiligen Hallen und machten uns auf die Suche nach nun hoffentlich geöffneten Boulangeries.Die ersten paar direkt vor der Kirche waren offenbar nur auf Touristen ausgelegt und entsprechend teuer, also gingen wir noch ein paar Blöcke weiter, auch die anderen Angebote interessiert betrachtend.

Chartres Puppenladen

Schließlich kam jeder zu seinem Baguette, Quiche, Croissant, Pain du chocolat und vor allem: Kaffee.
Nur ich hielt mich vornehm zurück. Irgendwie konnte ich mir nichts kaufen, zum einen, weil ich mich aufgrund von nervösen Verstotterungen am Vortag nicht traute, noch einmal Französisch zu sprechen. Zum anderen war die Auswahl so groß, dass ich mich einfach nicht für etwas entscheiden konnte. Und davon abgesehen bin ich auch nicht so unbedingt der Typ für süßes Frühstück.

Chartres Marzipanschwein

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter nach Trignac, zu einem weiteren F1. Wir entluden schnell unser gesamtes Gepäck, da wir noch zu einem Zwischenziel fahren wollten und ein bisschen Benzin sparen sollten. Dieses Zwischenziel war das Vogelschutzgebiet im Naturschutzpark Brière. Dabei handelt es sich um eine Art Brackwasser-Sumpf mit recht einzigartiger Flora und Fauna.

Aus irgendeinem Grund hatten wir komplett falsche Koordinaten und fuhren erst einmal, eine ganze Stunde verschwendend, auf die andere Seite des Naturschutzparks, von wo aus man uns dann wieder zurück schickte. Zum eigentlich beabsichtigten Ziel hätten wir um die 15 min gebraucht.

IMG_7686 Brière Entenkolonne

Als wir endlich da waren, hatten wir nur noch etwa eineinhalb Stunde Zeit, um über den Beobachtungspfad zu watscheln. Ich hatte leider weder Teleobjektiv (=>Tobi) noch Fernglas (=> unerreichbar im Transporter – habe ich schon erwähnt, dáss da noch viel mehr unerreichbares drin war und ich daher 5 Tage in den selben peinlich pinken Klamotten wegen, einschließlich Socken, herumlaufen musste? Die hatte ich leider noch an nach einem Girls Fantasy Camp-Konzert am Vortag der Abreise und keiner hatte mir gesagt, das mein Klamottenkoffer nicht mit mir mitreist) und konnte daher von den Vögeln auch keine guten Fotos schießen  – dafür waren sie viel zu weit weg.

Aber über fünf Ecken kann ich euch relativ vollständig berichten, was an diesem Beobachtungsposten zu herumfleucht und kreucht:

Wir sahen neben gewöhnlichen Stockenten und Graugänsen Löffelenten, Seidenreiher, Kiebitze – das sind nur die, die ich gut sehen konnte, dabei auch im Besonderen die Bekassine. Die anderen, die Teleobjektive und Ferngläser nicht in den Tiefen des Transporters begraben hatten, sahen z.B. auch noch ein junges Teichhuhn (welche weiteren Vögel gesichtet wurden  wird in dem Moment, wo ich dies schreibe, noch anhand von Literatur entschieden) sowie den als Ersatz für unseren heimischen Bieber eingeführten Nutria. Von diesem und von Ottern fanden wir auch Spuren in den ausgetrockneten Sumpfbecken.

Brière Spuren Otter

Ich selbst fotographierte dann in meiner Not einfach nur Insekten und ein paar meiner Meinung nach interessierte Pflanzen.

Danach fuhren wir wieder zurück zu unserem neuen F1, von wo aus wir zu Fuß weiter ins Gewerbegebiet aufbrachen um einen Hypermarché – die Franzosen kaufen wohl nicht einfach nur im Super-Markt sondern es muss mindestens ein Hyper-Markt sein – aufzusuchen, in dem noch weitere kleine Restaurants eingebaut waren. Der Hypermarché hatte übrigens in etwa die eineinhalbfache bis doppelte Größe von einem gewöhnlichen Kaufland oder Real zuhause.
Wir hatten schließlich die Auswahl zwischen einem Chinarestaurant, einem “Flanch” im Kantinen-Style und der “Pataterie” – also irgendwas mit Kartoffeln. Da Tobi schon seit Tagen Probleme mit seinem Bauchi hatte, entschieden wir uns für das Gemüse-versprechende Pataterie. Eine gute Wahl!

Brière Biene auf Blutweiderich

Das Essen dort war ziemlich abgefahren, wie schon die Platzkärtchen und Menüs versprachen – alles bunte Collagen aus alten Werbungen und Kochbüchern. Wir endeten dann bei einer Ofenkartoffel mit Ziegenkäse- und Gemüsefüllung und einem Salat mit Speck, Sonnenblumenkernen und oben drauf Toastbrot mit geilem Ziegenkäse (“Chèvre chaud”). Dazu bestellte ich ein Panache, eine Art Radler, und Tobi einen Schwarzen Tee. Der hatte es in sich, er kam mit einer kleinen Camenbert-Box voll Marshmallows und einem dieser Karamellbonbons, die einem die Zähne zukleben. Beides bekam allesamt ich.

Unsere weiteren abendlichen Bemühungen, ein schönes Weinchen oder ähnliches aufzutreiben, blieben erfolglos. In Frankreich kann man tatsächlich an Tankstellen keinen Alkohol mehr kaufen. Also wurden nur noch die heute entstandenen Fotos begutachtet, geduscht und sich schlafen gelegt.

Am Ende dieses Blogeintrages bedanke ich mich bei Katrin und Karina für ihre großzügigen Paypalspenden! Die nächste Ausgabe meiner Frankreichreise folgt in 3 Tagen!

Dienstag, 7. Januar 2014

Tinschen in Fronkreisch - Teil 1

Am 31. August, nur fünfundfünzig Minuten nach offiziellem Reisebeginn setzten wir Segel mit Kurs auf Bailleron in der Bretagne. Der Weg durch Deutschland war lang und beschwerlich. Auf fast jeder Autobahn oder Bundesstraße war entweder Stau oder zähfließender Verkehr.
Die Vorhersage, wir würden um 15:00 Uhr Paris passieren, lag um mindestens zwei Stunden daneben. Um diese Zeit herum waren wir höchstens gerade so über die Grenze gefahren. Dort bemerkten wir recht schnell, dass die Franzosen uns in Sachen Spritpreise doch sehr ähneln.
Schon die erste angefahrene Raststätte verkaufte klar französische Waren, die Grenzlinie unserer beider Staaten scheint also sehr scharf gezogen zu sein.
An der Zulieferstraße der Raststätte entdeckten wir außerdem das Angebot vom Sauf Service. Leider konnten wir weder so etwas wie einen Stand oder ein Lokal finden. Vielleicht hatte der Sauf Service ja Samstag Ruhetag. Aber das war ja auch gut so, wir hatten ja nach circa fünf Stunden gerade einmal die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht.

Total aus dem Zusammenhang gerissenes Blumenbild zur Deko

Als weitere typisch französische Autobahnmerkmale fielen uns die entlang der Straßenränder angebrachte bunte Kunstobjekte auf, die in Regenbogenfarben, mal auf runden, mal auf eckigen Objekten angebracht, an uns vorbeiverschwammen. Allzu sehr verschwimmen konnten sie allerdings nicht, schließlich ist in Frankreich durchgehend ein Tempolimit von 130 km/h. Wahrscheinlich deswegen kamen wir in Frankreich ziemlich entspannt und insgesamt schneller vorwärts. Das könnte aber auch an den abschreckend hohen Mautgebühren liegen, die einen auf französischen Autobahnen erwarten. Schon am ersten Anreisetag kamen wir auf gute 60€ Mautgebühren. Da überlegt man sich doch noch einmal, ob das Wahlversprechen von Horst Seehofer, Maut für Ausländer einzuführen nicht doch eine gute Investition ist (aber immer noch: Nein!) und ob es nicht doch mal eine gute Idee wäre, auch in Deutschland ein Tempolimit einzuführen (aber Ja!). Wenn einem in Deutschland kurz vor einem großen Stau links mehrere Ferrari-artige Geschosse mit über 250 km/h um die Ohren sausen, wünscht man sich ohnehin ganz unfromm, dass wenigstens genau diese für den Stau verantwortlich sind.

Zurück nach Frankreich! Nachdem wir die Ausfahrtschilder sowohl von Disneyland als auch vom Asterix-Park passiert und den TGV uns überholen lassen hatten, passierten wir endlich Paris. Dieses kannte ich bisher nur bei Nacht aus den guten alten Zeiten, wo wir in einem Wisch von Deutschland nach Spanien zum Ferienhaus meines Onkels gefahren sind. Neben den doch sehr charakteristischen Bauten der Hauptstadt Frankreichs entdeckten wir sogar mit viel, viel Fantasie in der Ferne die Spitze des Eiffelturms – man hatte ihn sich doch etwas größer vorgestellt.

Hotel F1 Frankreich Chartres

Endlich tauchten die Schilder zu unserem ersten Zwischenziel Chartres auf und bald erreichten wir über gefühlte zehn Kreisverkehre die billigste Unterkunft weit und breit, ein “F1-Hotel”. Böse Zungen mit Irokesenschnitten ist es zu verdanken, dass wir für diese Reise doch 500€ hinlegen mussten. Diese behaupteten nämlich, diese “Hotels” wären das, was sie sich nennen und wir Studenten schwelgten auf derlei Exkursionen im Luxus. In Wirklichkeit handelt es sich bei F1-Hotels um maximal dreistöckige Styroporbauten, die einem für 30-35€ pro Tag Zweier- und Dreierzimmer anbieten. Diese sind tatsächlich ein bisschen hotelhaft. Man bekommt ein mit Jugendherbergen verglichen sauberes Bett mit frischen Laken, frische Handtücher und man hat einen Fernseher im Zimmer. Dafür sind diese Zimmer aber winzig und die spärlichen Toiletten und Duschen am Ende des Ganges sind eine Geschichte für sich – aber alles billiger als eine Jugendherberge wie gesagt. Wir haben im Verlauf der letzten Tage übrigens mehrere Bauarten an Toiletten kennenlernen dürfen:


Sie alle verfügen über automatische Erkennungssysteme, die über den Türverschluss Deine Anwesenheit registrieren. Sowie du die Toilette/die Dusche betrittst, geht ein Licht an und in einer Bauart wird auch sogleich gewöhnungsbedürftige Musik mit verstörenden Geräuschen abgespielt. Im Fall des Klos gibt es außerdem manchmal noch automatische Waschbecken mit Wasserhahn, Seife und Handfön. Diese funktionieren ähnlich wie die Raststättenwasserhähne, die man sonst kennt, mit einer Lichtschranke. Diese ist aber anscheinend nicht einzeln unter den jeweiligen Instrumenten angebracht sondern irgendwo in der Höhe Deines Knies, wenn Du auf dem Klo hockst – und diese Lichtschranke aktiviert zeitgleich alle drei Instrumente – wobei der Seifenspender höchstwahrscheinlich nur aggressiv brummt aber keine Seife ausgibt. Wenn die Registrierung über das Türschloss ausgeleiert ist, hat man es außerdem mit der Variante “vom Teufel besessene Toilette zu tun”. Normalerweise spülen F1-Toiletten automatisch noch einmal durch, wenn Du die Toilette wieder verlässt. Ist der Mechanismus allerdings ausgeleiert, wartet besonders großer Spaß auf Dich.

Du betrittst die Toilette. Die Toilette spült. Die Toilette spült und spült und spült und möcht gar nicht mehr aufhören. Also die Tür noch einmal auf und zu. Die Spülung speit unaufhaltsam weiter. Drückst du selbst nun auf den Spülknopf, hast du endlich den Zauber beendet. Du setzt dich auf den Sitz, nicht ohne vorher mit viiiiel Klopapier das ganze Wasser weggewischt zu haben, das der Dauerspülgang auf die Brille geschwemmt hat. Du beginnst dein Geschäft und das wohlige Gefühl der Entleerung fängt an, sich breit zu machen. Plötzlich geht das Licht aus und als ob das nicht reicht, gesellt sich die Spülung wieder hinzu und verpasst dir einen Vorgeschmack auf japanische Sitze mit Anusdusche. Panisch versuchst du so schnell wie möglich wieder, auf und zu zusperren, bevor jemand die Tür aufstößt. Mit etwas Glück kannst du daraufhin deinen Hintern mit viiiiiel Klopapier wieder trocknen und dem nächsten Pechvogel mit einem hämischen Grinsen den Platz auf deinem Thron anbieten.
Wenn die Toilette übrigens nicht gerade spült, verpasst sie dir mit einer viel zu übertriebene Belüftung eine durch Zugluft ausgelöste Blasenentzündung.

Notre dame de Chartres

Zu guter Letzt bieten F1-Hotels ihren Gästen noch ein Frühstück für um die 5€ an. Morgens fährt dann ein Rollo hoch und enthüllt ein winziges Regal mit einem Kännchen Kaffee für alle, nicht allzu großen Brötchen und drei Sorten in diese typischen Schächtelchen abgefüllten Aufstriche.

Aber wenn ich auch mal wieder auf Durchreise durch Frankreich bin, würde ich wieder in ein F1-Hotel gehen. Mit drei Leuten im Dreierzimmer zahle ich pro Tag für den Aufenthalt weniger als für meine Wohnung.

Ich bin vom Weg meiner Erzählung leicht abgekommen. Es bleibt nurnoch zu erwähnen, dass F1-Hotels anscheinend immer in der Nähe von einschlägig bekannten Fast-Food-Ketten erbaut werden, so dass man das überteuerte Frühstück durch ein anderes überteuertes Frühstück ersetzen kann – sofern man nicht wie wir vor acht Uhr weiterfahren muss und dann verlangt, dass jemand unter der Woche seinen Laden vor 9 Uhr öffnet. So “fou” sind wohl nur wir “Allemands”, dass wir für andere Leute früh aufstehen, damit die sich den Magen vollschlagen können.

Nach 12 Stunden Fahrt und 8 Stunden Schlaf machten wir uns schließlich auf, ein typisch französisches Frühstück in der Innenstadt statt dem Gewerbegebiet zu finden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll in Teil 2 erzählt werden.