Montag, 25. Februar 2013

Unsere Vögel am Waldhaus im Schönberger Forst (Teil 2)

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Vor wenigen Wochen habt Ihr den ersten Teil dieses Blogs vielleicht schon gelesen. (Wenn ihr das noch nachholen oder die Erinnerung auffrischen wollt, klickt hier)
Immer noch schneit es fast jede Woche nach kurzem Tauwetter von Neuem. Unsere Wintervögel sind alle also noch zu beobachten. Selbst die Schwanzmeisen tauchen, wenn auch in verminderter Anzahl, fast jeden Tag um halb zehn bei uns zum Frühstücken auf.
Als kleinen Appetizer schiebe ich noch folgendes Video vor, dass ich im Dezember mit dem Zeitlupenmodus meiner Kamera gedreht habe:
Vor ein paar Wochen konnte ich tatsächlich einen Revierkampf zwischen Kohlmeisen beobachten. Das Schicksal wollte aber, dass ich gerade zu dem Zeitpunkt keine Kamera in Griffweite hatte.
In diesem Blog vervollständigen wir jetzt aber unsere Top 10 der häufigsten Wintervögel am Vogelhaus im Schönberger Forst! Wir wünschen viel Spaß mit Text und Bild!
6. Platz: Das Rotkehlchen (Erithacus rubicula)
Erithacus rubicula
Bei uns: ca. 4 Stück
NABU: Platz 9, in 62,64% aller Gärten vertreten, 0,05 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Die Rotkehlchen sieht man hin und wieder in unserem Vogelhaus, viel öfter suchen sie aber am Boden nach unserem Mischfutter in einer Schüssel (die wir mittlerweile aufgrund von gefräßigen, wiederkehrenden Rehen und Hunden aufgeben mussten. Nun streuen unsere Vogelfütterer direkt auf den Boden aus). Zumindest bei meinen Beobachtungen habe ich sie nie am Meisenknödel fressen sehen. Das beinah unverwechselbare Rotkehlchen ist ein wirklich interessanter Vogel und besitzt einen wirklich lesenswerten und ausführlichen Wikipediaartikel, den ich nur empfehlen kann.
Etwas kürzer, mit Vogelstimme und ebenfalls informativ, gehts hier zum NABU-Artikel.
7. Platz: Der Kleiber (Sitta europea)
Sitta europea
Bei uns: ca. 3 Stück
NABU: Platz 10, in 49,07% aller Gärten vertreten, 0,35 Vögel pro Garten mehr als 2012. Der Kleiber ist einer der häufigsten Besucher unseres Vogelhauses. Wobei man ihn dort eher selten Fressen sieht, viel lieber scheint er im Vogelhaus aufzuräumen (wer das Video ganz oben gesehen hat, dem ist das vielleicht schon aufgefallen Zwinkerndes Smiley). Wenn er nicht gerade das Vogelhaus anfliegt, zeigt er am liebsten seine Kletterkünste. Der Kleiber kann nämlich Kopf voran sowohl einen Stamm herauf als auch wieder hinab klettern. Als ich ihn das erste Mal sah (damals kannte ich mich bei Vögeln auch noch nicht wirklich aus) hielt ich ihn daher glatt zuerst einmal für ein meschugges Eichhörnchen in Blau Zwinkerndes Smiley. Außerdem hört man relativ oft ein Geräusch von ihm, dass man eher einem Specht zutrauen würde: Der Kleiber macht sich nämlich ähnlich diesem eine “Spechtschmiede” in der er z.B. Nussfrüchte aufklopft – was sich dann in einem auffälligen Klopfgeräusch äußert. Auch wenn er nicht gerade der am seltensten anzutreffende Vogel sein mag, für mich bleibt der Kleiber wegen seinem außergewöhnlichen Verhalten der coolste von allen. Zwinkerndes Smiley
Hier findest du mehr Informationen und seinen Gesang.
Platz 8: Die Blaumeise (Parus caeruleus)
Parus caeruleus
Bei uns: ca. 2 Stück
NABU: Platz 3, in 84,96% aller Gärten vertreten, 0,6 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Bei uns ist die Blaumeise im Vergleich zum restlichen Deutschland kein häufiger Gast. Man sieht sie überhaupt sehr selten und wenn, dann entdeckt man sie weniger am Vogelhaus sondern viel mehr in den Bäumen und dem Gebüsch rund herum. Das interessanteste für mich an der Blaumeise ist, dass man die Geschlechter am sichersten dadurch unterscheiden kann, wenn man sie mit einer UV-Lampe bestrahlt. Ihr Gefieder reflektiert diese nämlich in einem geschlechtsspezifischen Muster. Durch Größen- und Färbungsvergleich bleiben dagegen stets Unsicherheiten, sofern eindeutiges Verhalten das Rätsel auch nicht auflösen kann.
Hier gibt es mehr Informationen und den Gesang der Blaumeise.
9. Platz: Die Amsel (Turdus merula)
Turdus merula
Bei uns: ~2 Stück
NABU: Platz 5, in 89,29% aller Gärten vertreten, 0,09 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Ob es nun daran liegt, dass die Amsel im Vergleich zu unseren anderen Vögel relativ groß ist oder daran, dass sie generell ihr Futter eher am Boden sucht – die Amsel hat sich nie in unser Vogelhäuschen oder an einen Meisenknödel gesetzt. Sie bevorzugt das Mischfutter aus der Bodenschüssel oder direkt vom Boden unter dem Vogelhaus – wie oben erwähnt “spendet” der Kleiber ja allzu gerne Zwinkerndes Smiley.
Der Gesang der Amsel lässt sich am besten auf menschliche Musik übertragen, so kam es dazu, dass z.B. 1914 ein gewisser Heinz Tiessen das Lied einer Amsel wortwörtlich notierte.

Der Wikipedia-Eintrag zur Amsel gehört zur Liste der exzellenten Artikel und ist wirklich zu empfehlen! Wer meint, weil die Amsel so häufig ist, sei sie schlichtweg langweilig und uninteressant wird dort eines besseren belehrt!
Hier geht es noch einmal zum Gesang und etwas Information über die Amsel.
10. Platz: Last but not least: Der Waldbaumläufer (Certhia familiaris)
Baumläufer 2
Bei uns: Einer
NABU: Platz 5, in 0,41% aller Gärten vertreten, 0 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Waldbaumläufer-MerkmalÄhnlich wie bei der ersten Begegnung mit dem Kleiber verwirrte mich auch dieser neue Besucher erst einmal. Für ein Eichhörnchen war er zu klein, für einen Kleiber nicht braun genug und das Mäuse genau so einen Baum hoch klettern können, nämlich nur aufwärts und spiralförmig, war mir auch neu. Direkt am Stamm ist auch der einzige Ort, wo man den Baumläufer mit viel Geduld beobachten kann. Das Futter im Vogelhaus lässt ihn kalt, ihn interessieren nur die saftigen Maden in der Baumrinde. Die genauere Bestimmung, ob es sich um einen Wald- oder einen Gartenbaumläufer handelt ist auch etwas kompliziert. Die beiden Arten haben zwar an sich einen gut unterscheidbaren Gesang, imitieren aber gerne einander, wie ein Professor unserer Uni findet, sogar besonders gerne, wenn nach Bestimmung trachtende Menschen zugegen sind. Ein gutes Merkmal, sofern man den Vogel auf ein Photo bannen kann, ist aber der links oben im Bild angedeutete, viereckige Kerbe im Zickzackband des hellen Flügelfeldes. Beim Gartenbaumläufer ist dieses nämlich gleichmäßig gestuft.
So, das war die Top Ten unserer Vogelhaus-Besucher. Bei uns schwirren auch zahlreiche Bussarde, Turmfalken, Eichelhäher, Gimpel und vieles mehr herum. Aber bis auf zweitere haben wir noch nicht so viel Glück gehabt, diese zu fotographieren. Wünscht uns Glück!
Bald geht es in dieser Richtung weiter, es gibt Grund zur Vorfreude, dass bei uns viele Vögel brüten werden, so dass wir deren Nachwuchs begleiten können!
Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl 

Mittwoch, 6. Februar 2013

Unsere Vögel am Waldhaus im Schönberger Forst (Teil 1)

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Seit der ersten dichten Schneedecke wird das Vogelhäuschen im Waldhaus des Naturerlebnispfades im Schönberger Forst bei Lauf an der Pegnitz mit Vogelfutter und Meisenknödeln bestückt und seit Januar läuft bei uns die Vorstellung “Vogelzirkus”.
Vogelzirkus
Seither haben ich und mein Freund eine bunte Menge Vögel entdeckt und fast alle davon auch fotographiert. Speziell am Dreikönigswochenende habe ich unsere Vögel auch gezählt. Denn an diesem Wochenende lief die Aktion “Stunde der Wintervögel” vom Naturschutzbund Deutschland e.V.. Dabei wurde ganz Deutschland aufgefordert, ihre Vögel am Winterfutter-Vogelhäuschen zu zählen. Unter den Teilnehmenden werden auch ein paar Preise verlost, ich war leider keiner der Glücklichen (Im Mai folgt dann dazu die “Stunde der Gartenvögel”, ich freue mich schon drauf!).
Hier im Blog will ich nun auf unsere gefiederten Gäste eingehen, mit der jeweiligen Häufigkeit bei uns und laut des NABU, einem unserer tollen Bilder, einiger Details zum Verhalten und wenn möglich mit Gesang oder einem Video dazu, geordnet nach der Häufigkeit, in der der Vogel bei uns am Vogelhaus anzutreffen ist.
1.Platz: Die Tannenmeise (Parus ater)
Parus ater
In einer Stunde habe ich ungefähr 12 Tannenmeisen um das Vogelhäuschen schwirren sehen. Auch jetzt im Februar sind sie immer noch unsere häufigsten Gäste.
Bei der Stunde der Wintervögel belegten sie den 22. Platz mit einer Verbreitung in 12,33% aller Beobachtungsorte und mit 0,13 mehr gesichteten Vögeln pro Garten.
Bei uns am Waldhaus hopsen die meisten Tannenmeisen zwar nicht auf einer Tanne, aber auf einer Fichte umher und warten auf den nächsten möglichen Zeitpunkt, im Vogelhaus Sonnenblumenkerne zu ergattern. Die Meisenknödel werden seltener angeflogen.
Das wichtigste Merkmal, das eine Tannenmeise auszeichnet (insbesondere im Vergleich mit der Sumpfmeise), ist die doppelte, weiße Flügelbinde, die man hier auf dem Foto gut sieht. Außerdem ist der Kopf schwarz-weiß gestreift und erinnert ein bisschen an einen Dachs.
Mehr Informationen zur Lebensweise und ihren Gesang findest Du hier.
2. Platz: Die Schwanzmeise (Aegithalus caudatus – caudatus und europaeus)
Aegithalus caudatus
Bei uns: 10-20 Schwanzmeisen beider Unterarten, da sie mittlerweile weitergezogen sind, habe ich sie auf Platz 2 gesetzt.
NABU: Platz 13, in 11,77% aller Gärten vertreten, 0,20 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Wie der Gattungsname schon verrät, gehört die Schwanzmeise nicht zu den echten Meisen. Die Schwanzmeisen kamen anfangs nur einzeln bei uns an, und nutzten dabei eigentlich ausschließlich die Meisenknödel. Irgendwann hatten wir dann einen ganzen Schwarm bei uns von mindestens 20, vielleicht auch 30 Tieren, die etwa zwischen 9 und 10 schwarmartig über das Waldhaus herunterkamen. Die meisten hockten sich auf unsere Sträucher. Die fetthaltigen Meisenknödel und –kringel wurden ebenfalls schwarmartig überfallen und zu mehreren genutzt.
Weitere Informationen zur Lebensweise findet Du hier.
Ein Video von mir von und mit der Schwanzmeise in Aktion
3. Platz: Die Haubenmeise (Parus cristatus)
Parus cristatus
Bei uns: ~8 Haubenmeisen
NABU: Platz 28, in 10,29% aller Gärten vertreten, 0,06 Vögel pro Garten mehr als 2012
Bei uns sucht die Haubenmeise ihr Futter am liebsten am Boden unter den Vogelhäuschen und hüpft auch gerne im bodennahen Gestrüpp umher. Das Vogelhäuschen selbst wird auch hin und wieder besucht, die Meisenknödel seltener. Auch die Fichte wird hin und wieder besucht. Die Haubenmeise ist schier unverwechselbar durch ihre Federhaube, die übrigens auch eingeklappt werden kann. Hier gibt es noch ein paar Details zur Lebensweise.
Und so singt die Haubenmeise
4. Platz: Die Kohlmeise (Parus major)
Parus major
Bei uns: ~6 Kohlmeisen
NABU: Platz 1, in 93,41 aller Gärten vertreten, 1,49 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Die Kohlmeise ist auch bei uns sehr häufig zu sehen. Am meisten entdeckt man sie auf den Meisenknödeln, von denen aus sie gerne auch noch einen Hopser ins Vogelhäuschen tut. Wenn sie in der Nähe ist und nicht gerade am futtern ist, hält sie sich am liebsten in den höheren Zweigen der Laubbäume auf. Auf dem Bild ist ein Männchen zu sehen, was man daran erkennt, dass der schwarze Kielstreifen sehr deutlich und breit ist.
Weitere Informationen zur Lebensweise und zum Gesang findest Du hier.
5. Platz: Die Sumpfmeise (Parus palustris)
Parus palustris
Bei uns: ~4 Sumpfmeisen
NABU: Platz 24, in 12,42 aller Gärten vertreten, 0,04 Vögel pro Garten mehr als 2012.
Die Sumpfmeise wartet bei uns am liebsten mit den Tannenmeisen in der Fichte auf die nächste Anflugmöglichkeit, oder, wie auf dem Bild, auf dem langen Zweig mit den Meisenknödeln.  Die häufigere Sumpfmeise ist schwer zu unterscheiden von der sehr ähnlichen Weidenmeise. Ein guter Hinweis ist dabei allerdings der Kinnfleck (auch schon scherzhaft als Hitlerbärtchen bezeichnet), bei der Weidenmeise ist dieser nämlich ein gutes Stück breiter als hier auf dem Bild.
Weitere Informationen zur Lebensweise findest Du hier.
Im Video sind, trotz Titel, Sumpfmeisen zu hören und zu sehen
Platz 6 bis 10 gibt es hier!
Bleib uns/mir gewogen Zwinkerndes Smiley

Freitag, 1. Februar 2013

Mein November als FÖJ-ler (Teil 2b: Das Seminar)

Nach dem Wertstoffhof, von dem Du im letzten Blog gelesen hast, sahen wir uns noch einmal einen Film an, dieses Mal einen Teil der großen Anti-Verschwendungs-Dokumentation “Alles im Eimer”, im Besondern den Teil “Essen im Eimer (Eventuell sahen wir uns den auch erst Mittwoch an, aber ich weiß es nicht mehr genau und es macht keinen Unterschied).
Teile dieser Dokumentation kannte ich glaube ich schon in Ausschnitten aus Galileo. Im Essensteil des Film geht es um Themen wie “Containern”, also bei Nacht und Nebel in Supermarkt-Müllcontainer schlüpfen und mitnehmen, was noch gut ist. Die legale Variante davon ist die “Tafel”, deren Prinzip ebenfalls ausgebreitet wurde, mit dem Wermutstropfen, dass auch bei der Tafel nur Lebensmittel verschenkt werden dürfen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist (egal ob die Lebensmittel tatsächlich noch essbar sind oder nicht). Außerdem wird darauf eingegangen, dass die Verschwendung oft schon auf dem Feld anfängt, wo Feldfrüchte, die nicht der Norm entsprechen, direkt liegen gelassen werden. Diese Norm hat dabei nichts mit der tatsächlichen Qualität der Feldfrucht zu tun sondern viel mehr mit angeblich repräsentativen Verbraucherstudien von EU und Konzernen; Stichwort: Güteklasse A - Jeder kennt ja die Verhaltensweise, dass man sich im Supermarkt immer die schönsten Stücke Obst oder Gemüse auswählt.
Außerdem ging der Film noch auf die Verschwendung in den Supermärkten und Bäckereinen etc. ein. Denn natürlich lebt ein Supermarkt weniger davon, was vom Einkaufszettel eingekauft wird, sondern viel mehr davon, den Kunden dazu zu verführen, über den Einkaufszettel hinaus einzukaufen. So liegen im Obst&Gemüse-Regal oder in der Metzgerei immer viel mehr Erzeugnisse aus, als tatsächlich verkauft werden – die Wegwerfware ist immer einkalkuliert. Bäckereien erhalten sogar Beschwerden von Kunden, die kurz vor Ladenschluss kommen und keine volle Auslage mehr vorfinden.
Der Film rechnet vor, dass in Deutschland aus diesem Grund jedes Jahr Mengen an Brot wegwirft, die ganz Afrika ernähren könnten (oder so, schau den Film unbedingt auch mal selbst an) und zeigt schließlich noch ein Beispiel einer Bäckerei, die ihre Backofen mit den Brötchen vom Vortag beheizt. Natürlich ein innovatives, ressourcenschonendes Verfahren, aber irgendwo auch wieder traurig.
Meine Schlafstätte
Wir überlegten uns schließlich noch ein paar Lösungsansätze und kamen dabei z.B. zu dem Schluss, dass man, wenn man eine Kühltruhe hat, fast alles einfrieren kann und soll, was übrig bleibt. Auch Abokisten von Bauern aus der Region kamen als Idee gut an (ich bin grad auch am Überlegen). Die restlichen Lösungsansätze gingen fast alle in Richtung “Die Industrie soll doch…” aber bis wir selber mal vielleicht am lagen Hebel sitzen, sind das wohl Luftschlösser.
Mittwoch besuchte uns ein Veteran vom Arbeitsamt und erzählte uns zwei Stunden wie man den richtigen Beruf für sich findet und welche Berufe es in der Sparte Umwelt gibt.
Den Einstieg machte er mit den Hauptfehlern der Berufswahl:
Zum einen dem Hoffen auf Experten und Prognosen ala “Deutschland braucht mehr xxx”. Solchen Voraussagungen folgen immer ein vielfaches an Leuten mehr wie tatsächlich am Ende der Ausbildung noch gebraucht werden. Von so einer Prognose habe auch ich mich bei meiner Studienfachwahl zum Teil leiten lassen. Da hieß es bis 2008 noch, der Bio- und Gentechnikzweig sei in Deutschland total im Kommen. Durch die zahlreichen, oft viel zu uninformierten Grundsatzgegner der Gentechnik flohen nämlich mittlerweile die größten Arbeitgeber (z.B. Bayer, Stichwort: Amflora) in diesem Berufszweig aus Deutschland.
Statt also sich von Prognosen leiten zu lassen, sollte man einfach nur “sein Ding finden” und dann stetig “sein Ding durchziehen”, das brächte am Ende meist mehr Erfolg.
Zum anderen soll man bei der Berufswahl immer nur auf sein eigenes Herz hören. Verwandte und Bekannte können einem gerne eine Einschätzung geben, was sie meinen, was am besten zu einem passen würde und welche Qualitäten man hat.
Alles andere in Richtung “Du studierst jetzt Medizin, weil dein Vater und dein Großvater schon Ärzte waren” geht, geht viel zu oft nicht gut. Er verglich dabei gerne den Beruf mit einer Ehe: Wer von seinen Eltern die Braut/den Bräutigam vorgesetzt bekommt statt sich selbst entscheiden zu dürfen, führt selten hinterher ein glückliches Leben.
Auch verglich er Arbeit und soziale Beziehungen noch einmal zeitlich miteinander, um zu verdeutlichen, wie wichtig die Wahl des richtigen Berufs für ein glückliches Leben ist. Denn im Normalfall verbringt man dreimal so viel Zeit mit seinem Beruf als mit seiner Familie.
Am Ende bot er noch an, uns je nach Nachfrage persönlich zu beraten. Leider gingen nur ich und Farah darauf ein, wobei das gute daran war, dass er so mehr Zeit für uns hatte.
In einer abendlichen Diskussionsrunde in kleinen Gruppen sollten wir dann noch herausfinden, wie der Vortrag so bei uns angekommen war, und was die einzelnen von uns sich eigentlich für ihre Zukunft so vorstellen. Viele hatten immer noch keinen blassen Schimmer, wo es hingehen soll, manche wussten jetzt nur: “Nichts was so ist, wie mein FÖJ!”, manche hatten eventuell so eine Vorstellung und nur wenige wussten wirklich schon wo es lang gehen soll. Die wenigsten fanden die Aufstellung der Umweltberufe hilfreich. Ob diese Unentschlossenheit etwas damit zu tun hat, dass G-8-Schüler sich in der Oberstufe nicht mehr wirklich auf ihre Lieblingsfächer spezialisieren dürfen?
Abends machten wir noch ein Planspiel, in dem es darum ging, dass eine Schule einen neuen Caterer für das Mittagessen finden will. Ich denke es hat allen viel Spaß gemacht, nicht zuletzt aufgrund der humorvollen Informationskärtchen zu den verschiedenen Standpunkten der Parteien.
Dinge, die man über sein Bett nicht wissen will
Eine weitere Exkursion unternahmen wir dann Donnerstags. Viele von uns, gebürtige Franken, kannten es schon gut bis in und auswendig, für mich war es das erste Mal: Freilandmuseum Bad Windsheim. Ich fand es so toll und auch so kurz, dass ich im Sommer auf jeden Fall noch mindestens zwei Mal dort hin fahren werde. Nach einer Führung durch teilweise auch unserer BFDler, die dort eingesetzt sind, teilten wir uns noch in zwei Gruppen ein, die eine machte selbst Wolle, meine Gruppe machte selbst Leinstoff. Der Flachs dafür war im Herbst von den BFDlern geerntet, gebunden und gebrannt worden. Gelagert wurde der Flachs dann, auch in der guten alten Zeit, in einem abseits des Dorfes gebauten Häuschen. Denn der Flachs mit seinen (Lein-)samen hat einen hohen Ölanteil und fängt dementsprechend leicht Feuer. In diesem Häuschen erfuhren wir, dass jeder Flachshalm nur einen für das Leinen verwendbare Faser enthält und bewiesen praktisch, dass es eine mords Arbeit ist, diesen einen Faden rückstandslos herauszudestillieren. Die Werkzeuge dazu sahen auf dem ersten Blick aus wie Folterinstrumente, darunter Pranger und Bürsten, die eine eiserne Jungfrau hätte auskleiden können.
Zum Abschluss besuchten wir noch die Museumswirtschaft, wo sich der überwiegende Teil aus mir unerfindlichen Gründen Sauerbraten bestellte. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, dass Sauerbraten eine Beleidigung für jedes Rind ist, dass sein Leben für eine Weiterexistenz als Nahrungsmittel geben muss. Wie ich nicht anders erwartete, schmeckte der Sauerbraten, den angeblich die Bedienung und nicht der Koch zubereitet hatte, niemandem. Ich hatte dagegen einen fränkischen Gewürzspieß, die Beilage bestand aus mit Mandeln garnierten Kartoffelnudeln (wie der fränkische Fachbegriff war, hab ich wieder vergessen ^^) und war begeistert.
Zu Abend wurde das Abschlussfestessen bereitet, und zwar durch und durch vegetarisch. Als Vorspeise gab es Gemüsesuppe und Salat, als Hauptspeise Gemüselasagne und als Nachspeise gab es Kaiserschmarrn mit Apfelmus und aus übrigen gefrorenen Himbeeren&Erdbeeren improvisierte rote Grütze (meine Idee juhu Zwinkerndes Smiley ). Alle unsere überzeugten Fleischesser hatten zu Mittag den Sauerbraten gehabt und daher beschwerten sie sich plötzlich nicht mehr wie sonst in der bisherigen Seminarzeit über Fleischmangel. Nein, an diesem Abend wurde die vegetarische Küche vergleichsweise in den Himmel gelobt!
Freitag war wieder Abreisetag. Bevor es zurück zum wieder total überfüllten Zug ging, hamsterte ich noch, vom Geiste von “Alles im Eimer” beflügelt, alle Käsereste des Seminars. Zuhause zerschippelte ich ihn dann und fror ihn ein Zwinkerndes Smiley.
Du hast es geschafft! Nimm dich in Acht vor dem Ausmaß des Blogs über das dritte Seminar im Februar in Lauenstein, wo wir hoffentlich auch die dortige “Schokoladenfabrik” besuchen, aus der ich zu Weihnachten eine Schachtel Pralinen geschenkt bekommen habe.
- das als Vorgeschmack auf den Dezember!
Bis demnächst!

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