Samstag, 22. Dezember 2012

Mein Oktober als FÖJ-ler (2. Teil: Die Arbeit)

IMG_0932Im ersten Monat habe ich natürlich hauptsächlich versucht, mich am Naturerlebnispfad und in der Schule einzuleben. Die meiste Zeit verbrachte ich damit, das Gelände zu erkunden und die verschiedenen Stationen des Naturerlebnispfades zu entdecken.
Dabei hatte ich meistens Pflanzen- und Pilzbestimmungsbücher dabei, denn ich habe vor, eine möglichst komplette Artenliste aufzustellen, denn der Schönberger Forst ist wirklich ein artenreicher Wald. Allein was Bäume und Sträucher betrifft, könnte ein Anfänger stundenlang Bestimmungsbücher wälzen. Ich habe im Oktober folgende Arten gefunden (hier der Einfachheit halber nur mit deutschen Namen und teils auch nicht genauer spezifiziert, da ich im Frühjahr eh noch einmal genauer nachsehen will… und bei den Kräutern hab ich auch ein paar Sporenpflanzen versteckt ^^):
Bäume&Sträucher Stauden&Kräuter Pilze&Flechten
Birke Efeu Maronenröhrling
Brombeere Alant Birkenporling
Eberesche Arnika Birkenröhrling
Erle Brennnessel Buchen-Speitäubling
Faulbaum Frauenfarn Butterröhrling
Fichte Frauenhaarmoos Flaschenstäubling
Ginster Heidekraut Fliegenpilz
Hainbuche Kleinblütiges Franzosenkraut Gesäter Tintling
Hartriegel Kunigundenkraut/Wasserdost Glimmertintling
Hasel Schwarze Königskerze Grünblättriger Schwefelkopf
Heidelbeere Stinkender Storchschnabel Hallimasch
Kiefer Wald-Sauerklee Herbstlorchel
Lärche Wald-Schachtelhalm Kartoffelbovist
Robinie Wasserdarm Krause Glucke
Rotbuche Weidenröschen Kuhröhrling
Roteiche Milder Schwefelkopf
Stieleiche diverse Milchlinge
Tanne Schopftintling
Winterlinde versch. Steinpilze
Weißer Knollenblätterpilz
Ziegenlippe
Über den Pilzreichtum hatte ich ja bereits damals schon einen Blog geschrieben. Ein, zwei Mal habe ich mir ein paar Leckerbissen mit nach Hause genommen. Einmal habe ich aber für uns vier Mädels im Büro eine ausgezeichnete Mischpilzpfanne gekocht, für deren Inhalt ich kaum 2 Stunden suchen musste, um etwas über einem guten Kilo Pilze zu finden. Hoffentlich gibt es 2013 wieder etwas früher Pilze, damit wir das wiederholen können.
Voller Pilzkorb
Auch mit den Waldbesuchern habe ich mich bekannt gemacht, u.a. ein befreundetes Rentnerpärchen, dass öfter vorbei kommt um etwas Ordnung zu schaffen. Natürlich wussten sie auch ganz viel zu Schimpfen über Vorgänger, unordentliche Kinder und sonstige Leute, die Müll in den Wald schmeißen und randalieren. Ich gelobte Besserung.
Bald kamen die ersten Gruppen aus dem Kindergarten zu mir ins Waldhaus. Ich war nie ein sonderlicher Fan von Kindern, kannte ich doch hauptsächlich die Stadtdrecksschratzen und meine 10 Jahre jüngere Schwester (die, seit ich ausgezogen bin, viel angenehmer geworden ist ;D ). Aber meine Waldhauskiddies habe ich ratzfatz ins Herz geschlossen. Es bleibt einem aber auch nicht viel Wahl, wenn man fast von Anfang an mit Kuschelattacken bombardiert wird.
Baumgesicht
Diese Sympathie verfestigte sich wohl auch dadurch, dass eines morgens eine fremde Schulklasse auf den Bänken vor dem Waldhaus Geburtstag feierte. Ich unterhielt mich kurz mit der Lehrerin, um sicher zu stellen, dass ich nicht einen Termin verschusselt hatte – sie waren aber wirklich nur spontan für draußen da. Die Fenster waren bereits alle geöffnet und ich mühte mich noch damit ab, mit meiner noch nicht ganz ausgereiften Technik das Feuer zu entzünden.
Natürlich guckten die Kinder, alle so um die zehn Jahre alt, zum Fenster herein. Was sahen sie? Ein Haus im Wald, ein Feuer im Haus, eine Frau im Haus am Feuer. Da kam, was kommen musste:
“Schaut mal! Eine alte Hexe!”
Gekränkt, ich bin ja nicht mal 25 und sehe auch glaube ich nicht so alt aus wie ich bin, machte ich von innen die Fensterläden zu mit den Worten:
”Wer alte Hexe zu mir sagt, darf auch nicht ins Waldhaus reinschauen”.
Ich vergaß aber, auch das Fenster in meinem Büro zuzumachen, wo zudem auch noch die Fenster selber auf waren. Da hörte ich plötzlich auch noch ein:
”Lass uns da einsteigen und die alte Hexe ins Feuer schmeißen!”
Bevor sie wieder verschwanden, beschwerte ich mich noch einmal bei der Lehrerin und fühlt mich dabei, als wär ich schon mindestens 60.
Bis meine lieben Kindergartenkinder kamen, heckte ich Pläne aus, wie ich es denen heimzahlen könnte, falls die mal so ins Waldhaus kommen würden.
Ganz auf Hänsel und Gretel-Art natürlich.
Feuerchen
Am selben Tag erhielt ich von meinen Waldrentnern wenigstens noch das Kompliment, dass ich die gute Fee vom Waldhaus bin, das hob mein Selbstwertgefühl wieder ein bisschen aus dem Keller.
Auch am Reiterhof machte ich meine ersten Schritte. Zuletzt war ich als Kind mit einer Freundin einmal auf einem Pferd geritten, alles drum herum hatte ich noch nie gemacht. Mein Fazit bisher: Pferde sind nicht viel anders als Hunde. Sie sind vielleicht etwas bockiger, machen sich aber mindestens genau so oft dreckig und miefen dann. Man kann mit ihnen auch an der Leine gehen, ja richtig Gassi gehen. Auch sie können grinsen und beißen und sind genau so verschmust. Die Hinterlassenschaften liegen genauso überall herum (zumindest hier) – nur riechen sie nicht so stark.
Fury Weihnachten
Die letzte Oktoberwoche fiel mit den Herbstferien zusammen, also war keine Schule und ich musste nicht ins Büro sondern zu meinem zweiten Anleiter, dem Nordländer Zwinkerndes Smiley.
In dieser letzten Woche machte ich dann etwas, was mir als Kind/Jugendlicher verhasst war, ich aber, seit ich ausgezogen bin, wieder ganz gerne mache: Holz.
Im Holzschuppen vom Waldhaus waren noch einige stattliche Rundlinge, die wir abholten und dann spalteten. Zuhause hatte ich bis dahin nie gespalten, das war Papas Arbeit, genau wie das sägen an der Kreissäge. Seitdem darf ich anscheinend auch daheim alles machen - hätt ich doch bloß den Mund gehaltenZwinkerndes Smiley. Alles im Allem hatten wir dann nach zwei Tagen zwei frische Ster im Schuppen stehen. Was ich mittlerweile von unserem Verbrauch so mitbekommen hab, dürfte das zusammen mit der neusten Ladung mindestens bis nächstes Jahr um die Zeit noch reichen.
Sonnenstrahlen im Wald
Ein weiteres Mal wurde ich in diesem Monat noch frustriert. Zwei Wochen vor den Herbstferien hatte ich rundherum im Wald Moose gesammelt und auf dem Tastpfad eingepflanzt. Wenn es länger trocken war, habe ich es sogar gegossen und alles in allem sah es schön dicht und grün aus. Am Wochenende zu den Herbstferien aber waren wieder besonders nette Menschen auf dem Naturerlebnispfad unterwegs und rissen all das Moos wieder heraus und schmissen es um sich herum in den Wald. Wir überlegten, ob es nicht vielleicht einfach Tiere gewesen sein könnten, aber ein Taschentuch lag verräterisch neben dem Tatort. Ich zog in Betracht, es einer Genanalyse zu unterziehen. Aber ich komm ja nur noch so selten nach Erlangen.
Zuletzt in diesem Monat übergab ich noch meinem ersten Mieter den Waldschlüssel. Und so viel mehr hab ich gemacht, aber alles würde diesen Blog sprengen und schon den wird kaum jemand, der ihn anklickt bis hierher durchgelesen haben. Oder? ^^
Coming soon: Mein November Teil 1&2
Ansonsten, ich wünsche euch:
Guter Lutsch
Hier geht es weiter!
Teil 1 verpasst? Hier lang!

Freitag, 7. Dezember 2012

Mein Oktober als FÖJ-ler (Teil 1: Das erste Seminar)

Ich habe ja bereits einen Blogartikel über meinen ersten Tag an meiner Einsatzstelle erzählt. Heute hab ich mich dazu entschlossen, euch monatlich ein Update zu verpassen, was ich dieses Jahr alles so treibe.
Jeder machte ein Plakat ber seine Einsatzstelle
Eigentlich fing mein FÖJ-Jahr ja nicht mit Arbeit an sich, sondern mit einem Seminar an. Wir, die Gruppe Mitte, trafen uns hierfür in Kattenhochstadt, einem kleinen Dorf in der Nähe von Weißenburg. Neben diversen Kennenlernspielen, für die ich mich mit 24 (etwa sechs Jahre über dem FÖJ-Durchschnitt) etwas zu alt fühlte, blieb mir bei den unangenehmeren Aktivitäten noch im Gedächtnis, dass wir ein paar mehr oder weniger spirituelle Sitzungen hatten, z.B. eine Erdmeditation. Nach fast vier Jahren naturwissenschaftlichem Studium kann man mit sowas, zumindest in meinem Fall, einfach nicht mehr viel anfangen. Dass es nicht ganz ohne so etwas ablaufen würde, hatte ich aber auch erwartet, schließlich ist unser Träger, der EJB (Evangelischer Jugendbund), kirchlicher Natur. Passt also Zwinkerndes Smiley
Mehrheitlich war das 1. Seminar aber sehr angenehm. Das Essen war lecker und das nicht spielerische oder spirituelle Programm fand ich super. Eine Geologie-Studentin führte uns theoretisch wie praktisch in die Bodenkunde ein. Die erste Annäherung erfolgte direkt im Seminarhaus. Jeder hatte etwas Erde von seiner Einsatzstelle mitnehmen müssen und sollte dann mit destilliertem Wasser, einem pH-Streifen, Salzsäure und seinen eigenen Händen und Zähnen dessen Beschaffenheit untersuchen.
Mit dem Wasser befeuchteten wir eine Portion Erde an und prüften, ob sie sich zu einer Wurst formen ließ. Wenn das der Fall ist, bedeutet das, dass ein höherer Lehmgehalt vorliegt. Ob die Erde sandig ist, überprüften man wir, indem wir mal auf die Erde draufbissen. Wenn es in den Zähnen knackt und knirscht, ist Sand dabei.
Eine weitere Portion Erde lösten wir mit ein bisschen mehr destilliertem Wasser auf als beim ersten Mal und tauchten einen pH-Streifen hinein. Die meisten Böden lagen im basischen Bereich. Nur wenige, u.a. meiner waren eher sauer, bei pH 5.
In einem weiteren Test träufelten wir einige Tropfen verdünnte Salzsäure auf unseren Boden. Wenn es dann zu blubbern anfing, wussten wir, dass unser Boden recht kalkhaltig war.
Meinen Boden hatte ich von einer trockenen Stelle im Naturerlebnispfad, also aus dem Schönberger Forst. Wie eigentlich typisch in der Gegend um Nürnberg, war dieser Boden ziemlich lehmfrei (wobei wir im Wald dennoch mehrere sehr lehmige Stellen haben), dafür sandig, der Kalktest war negativ.
In der Nhe hab ich meine Erde geholt
Mehr Praxis gab es dann in Form einer Rally mit 5 Stationen an 5 verschiedenen Böden, wo wir die Tests von oben noch einmal durchführten und zwei weiteren: Wir checkten die Bodenhorizonte und machten einen Sickertest. Für den ersteren rammten wir einen Spaten viermal im Rechteck in den Boden und zeichneten auf, wieviele und was für Schichten wir zu sehen gedachten. Für den letzteren rammten wir wiederum eine große Dose ein gutes Stück in den Boden und gossen genau einen Liter Wasser hinein. Dann stoppten wir die Zeit, bis das Wasser versickert war. Je länger so etwas dauert, desto dichter ist der Boden. Der dichteste Boden auf der Rally war das auch wie erwartet ein Stück gut bewirtschaftetem Ackerboden.
Auf jeder Station notierten wir uns außerdem mit Bestimmungsbüchern bewaffnet den Bewuchs. Dabei ging ich meinen übrigen Gruppenmitglieder wohl zur Hälfte auf die Nerven und zur anderen Hälfte erschien ich ihnen als recht nützlich. Die meisten Pflanzen konnte ich sofort benennen (teils mit einem “Funfact” zur möglichen Verwendungszwecken), wenn aber nicht, gab ich nicht eher Ruh, bis ich herausgefunden hatte, was da vor mir stand.
Botanisch gesehen konnte ich auch bei weiteren Gelegenheiten dieser Woche nicht anders, als den Nerd rauszulassen. Sowohl beim Ausflug zum Landschaftspflegeverband bei Weißenburg als auch beim Besuch beim Biobauern rief ich jede Pflanze, nach deren Namen gefragt war und die ich auch kannte, aus. Rechtfertigend kann man aber sagen: Zum einen war ich wohl oft auch der einzige, der den Namen kannte und zum anderen freuten sich die jeweiligen Führer auch ganz doll, dass da wenigstens einer war, der die Pflanze noch kennt.
Fransen-Enzian
Diese beiden Ausflüge fand ich auch sehr interessant. Beim Landschaftspflegeverband sahen wir uns noch einmal die verschiedenen Horizonte bei verschiedenen Standorten an, so u.a. noch einmal einen Acker, einen Standort, der eher in Richtung Aue bis Sumpf ging und auch einen Kalktrockenrasen. Hier erfuhr ich auch, dass es in Deutschland vor 50 Jahren noch mindestens so viele Schafe wie heute Deutsche gab. Heute gibt es nurnoch wenige Millionen Schafe. Gegenden, die früher regelmäßig beweidet und gedüngt wurden, verwandeln sich daher immer mehr in Primärwald. Dadurch schrumpft natürlich der Lebensraum vieler schöner und/oder nützlicher Pflanzen, z.B. der des Enzians. Wir erfuhren, dass es in dieser Gegend, meiner Heimat, besonders viele verschiedene Arten Enzian gibt. In den Alpen, die man viel mehr mit dem Enzian in Verbindung bringt, gibt es im Vergleich dazu nur sehr wenige. Dies beeindruckte mich besonders, da ich noch am Wochenende davor bei mir zuhause an einer Stelle, wo regelmäßig Schafe weiden, einen Fransenenzian für mein Herbar eingesteckt hatte – zum späteren Bestimmen, da ich weder Fotoapparat noch Bestimmungsbuch dabei hatte. Mein Onkel erkannte die Pflanze als Enzian, meinte aber, das müsste ein ausgekommener Zier-Enzian sein. Tja, falsch Zwinkerndes Smiley
Bio-Babykatze
Außerdem besuchten wir wie gesagt einen Biobauern in der Nähe, der auch Ferien auf dem Bauernhof anbietet und einen kleinen Bauernladen betreibt. Auf seinem Hof erfreuten wir uns an den unglaublich zutraulichen Babykatzen und frisch geworfenen Ferkeln. Wir erfuhren, dass zumindest seine Legehühner hier ein sehr langes Leben hätten, da er sie, sobald sie nicht mehr allzu produktiv sind, nicht einfach schlachtet und zu Suppenhuhn verarbeitet. Dann zeigte er uns seine Felder. Auf einem davon hielt er einige Mutterkühe mit ihren Kälbern. Hierbei handelte es sich nicht um Milchvieh sondern eher um eine Zucht. Die Kälber oder alte Mutterkühe verkauft er hin und wieder auf dem Bauernmarkt zur Mästung oder Schlachtung. Zum Gras hinzu, dass diese wahren Freilandrinder auf der Weide finden, füttert er jeden Tag noch Heu.
Bio-Khe
BuchweizenEin Feld weiter zeigte er uns ein Feld mit einer Polykultur. Hauptsächlich baute er dort gerade Acker-Senf an. Auf dem Feld hatte er gerade eine Art Nematoden, die eine Kartoffelkrankheit auslösen. Der Acker-Senf gibt Stoffe in den Boden ab, die diese abtöten und damit das Feld nächstes Jahr wieder Kartoffeltauglich machen sollten.
Außerdem hatte er Buchweizen auf dem Feld, den er sich hin und wieder zum Eigenbedarf pflückt. Um den Nährstoffgehalt des Bodens zu verbessern, pflanzt er außerdem noch diverse Leguminosen/Schmetterlingsblüter wie Luzernen auf diesem Feld und auch wohlriechender Borretsch befand sich darauf. (Ich nahm mir von jeder Pflanze eine Probe für mein Herbar mit)Luzerne
Er erzählte uns außerdem, dass er nur mit einem kleinen Traktor übers Feld fährt, wenn er den alten Bewuchs als Dünger für den neuen durchpflügt. Lockerer Boden, der zusätzlich noch altes Pflanzenmaterial enthält, hält Wasser und somit auch Nährstoffe einfach besser. Zum Vergleich zeigte er uns ein Nachbarfeld, auf dem Kunstrasen angebaut wurde. Der Feldbesitzer führe dort immer mit einem Riesenteil von Traktor darüber, so dass der Boden mittlerweile ungefähr so dicht sei wie eine Asphaltstraße. Daher müsse er den Rasen viel Düngen und extra bewässern, denn Regen wird von Borretschdiesem Boden kaum aufgesaugt und schwemmt beim Abfließen die Nährstoffe vom Feld direkt wieder herunter.
Mit dem Maisfeld nebenan sähe es ähnlich aus. Bei diesem Thema angekommen, gab er ein Plädoyer gegen Genmais ab, dessen Pollen dann auf sein Bio-Feld fallen würden und seine Feldfrüchte (Mais baute er aber nie an) kontaminieren würden. Der Molekularbiologe in mir begann daraufhin eine Diskussion mit ihm, dass der in Europa verwandtenlose Mais auf sein Feld eigentlich garkeinen Einfluss ausüben könne. Die Diskussion wurde aus Zeitgründen abgewürgt, aber wir kamen überein, dass Mais nicht ganz so schlimm sei, manche anderen gentechnisch veränderten Nutzpflanzen, z.B. Kartoffeln, die nicht so verwandtenlos seien, aber dennoch bedenklich sein könnten.
Lange Rede kurzer Sinn: Das 1. Seminar hat mir insgesamt sehr gefallen und mir auch die ein oder andere neue Erkenntnis eingebracht. U.a. auch, dass es Menschen gibt, die durch zwei Hauswände und mehrere Meter Garten hindurch schnarchen können.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Kürbislasagne–vegetarisch

Am 1. November habe ich Kürbislasagne gekocht und bisher nicht die Zeit und Muse gehabt, das Rezept niederzuschreiben. Die Idee, wie ich die Lasagne machen könnte, kam mir im Zug. Plötzlich war das Gelüst da und der Weg, wie ich dahin kommen könnte.

Also machte ich mich, nachdem ich die Zutaten beschafft hatte, ans Werk.

Ich wollte keine fertigen Nudelplatten nehmen, bzw. ich fand einfach keine in der Mini-Norma ums Eck und kaufte dann lieber Eier, Mehl und einen Bund Rucula.
Da ich keine Ahnung hatte, wie viele Schichten ich in meine Auflaufform hineinbekommen würde, orientierte ich mich einfach mal an einer Angabe für 4 Personen: 200g Mehl und zwei Eier sollten da angeblich reichen. Zuerst schlug ich die Eier in die Schüssel, dann streute ich eine gute Prise Salz und Pfeffer hinein sowie möglichst grüne getrocknete Kräuter, worunter auf jeden Fall Liebstöckl, Salbei, Dill und Kerbel waren. Für ein richtig frisches Grün versenkte ich letztendlich noch fast den ganzen Bund Rucula in die Schüssel und pürierte nach der Zugabe von einer schönen Portion Olivenöl ordentlich durch, bis mir das ganze ausreichend einheitlich grün erschien.
Nun gab ich die 200g Mehl und ein paar Esslöffel Grieß hinzu und wechselte vom Pürierstab zum Knethaken um. Sobald ein hübscher Klumpen zu entstehen begann, kratzte ich ihn zusammen mit den Resten am Schüsselrand zusammen und umwickelte das Ganze mit Frischhaltefolie. Der Teig sollte laut Standard-Nudelrezept etwa eine Stunde ruhen, damit er beim Ausrollen nicht so klebrig ist.

Nachdem der Nudelteig schon etwa 30 Minuten auf der Seite war, machte ich mich daran, den Kürbis zu halbieren und zu entkernen (die Kerne hob ich mal wieder auf, in der Hoffnung, am Ende doch noch essbare geröstete Kürbiskerne zu bekommen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden). Den Rest des Kürbisses, übrigens Hokkaido, schnitt ich in grobe Würfel. Zusammen mit zwei grob gehackten Zwiebeln und Knoblauchzehen warf ich ihn in einen Topf mit siedendem Öl und ließ alles etwa zehn Minuten vor sich hinbraten – unter gewissenhaftem Umrühren versteht sich. Dann goß ich bis etwa zur Hälfte der Würfelhöhe Weißwein auf und leerte einen 100g Becher saure Sahne mit hinein und vermischte alles gleichmäßig mit dem Kochlöffel.

Während ich den Kürbistopf noch etwas vor sich hin köcheln ließ, damit der Kürbis auch ordentlich durch sein würde, holte ich den Nudelteig wieder aus dem Kühlschrank. Das bisschen nicht vollgestellte Arbeitsfläche unserer kleinen WG-Küche bemehlte ich, ebenso wie meine Hände und den Nudelteig, und legte mit dem Nudelholz los. Immer von innen nach außen, umdrehen, von innen nach außen, wenden, von innen nach außen, hatte ich irgendwann eine endlich leicht durchscheinende, nur wenige Millimeter dicke Teigfläche vor mir, die sich in schöne, auflaufförmige Lasagneplatten schneiden ließ.

Nun nahm ich den Kürbistopf vom Herd und pürierte ihn zu einem schönen, dicken Brei. Gleichzeitig brachte ich einen ordentlich gesalzenen Topf Wasser zum Kochen. Sobald es darin richtig rund ging, warf ich nach und nach immer maximal zwei Lasagneplatten in das Wasser, holte sie nach etwa zwei Minuten wieder heraus und legte sie auf ein sauberes Küchentuch.

Endlich war es so weit: Die Lasagneform konnte befüllt werden.
Die erste Schicht ist bei mir weder Nudel noch Soße sondern genauso wie die letzte Käse, da ich mir einbilde, dass man es so hinterher beim herausnehmen leichter hat, ein richtiges, ganzes Stück auf den Teller zu bekommen.
Auf den Käse allerdings kommt auch ein kleiner Schöpfer Soße für die Bindung.
Darauf folgten mehrere Schichten Nudel-Soße-Nudel. Etwa bei der Mitte legte ich aber in die Soße hinein noch dicht Tomatenscheiben mit drauf. Die letzte Schicht, optimalerweise war mir gerade da die Soße ausgegangen und auch die Nudelplatten gingen genau auf, ist bei mir eine Schicht Zwiebeln mit Creme fraiche. Traditionell kommt da zwar eine Bechamel-Soße drauf, aber erstens macht das meine Mama auch immer so. Und zweitens fand ich auch, dass geschmacklich die Creme fraiche dem ganzen eine, wie der Name schon sagt, frischere Note gibt. Die letzte Platte Nudeln drauf, noch einmal ein paar Zwiebelscheiben und den Rest Creme fraiche und dann gaaaaaanz viel Käse, ich glaube ich habe Emmentaler genommen. Sollte aber auch super mit Gouda, Edamer, Mozzarella usw. funktionieren.

Dann kam die Form für 20-30 Minuten in den Ofen bei etwa 180° und da bis dahin der Käse oben noch zu flüssig und kein bisschen angebräunt war, setzte ich nochmal 5-10min Grillstufe von oben hinterher.

Kürbislasagne

Fertig war meine Kürbislasagne. Mein Freund schlang sie in sich hinein als ob es keinen Morgen mehr gäbe und unsere Mitbewohner fanden sie auch super.

Ich, die ich seit Ewigkeiten keine Nudeln mehr selber gemacht habe, hab mir auch vorgenommen, das ab sofort öfter zu machen. Tja, nun ist das alles schon einen Monat her und das ist nicht passiert. Aaaaber der Vorsatz bleibt.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und falls ihr diese Kürbislasagne nachkocht: Ich wünsche euch einen Guten Appetit!

Und zum Schluss noch einmal die Zutatenliste (4 Personen):
1 Hokkaidokürbis
2 Eier
200g Mehl
1 Bund Rucula
getrocknete Kräuter, Salz, Pfeffer, Olivenöl
1 Becher saure Sahne
~200ml Weißwein
2 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
1 Tomate
1/2 Becher Creme fraiche
~200g Reibekäse (Sorte egal, hauptsache schmilzt)
Kürbislasagne