Donnerstag, 13. September 2012

Exkursion nach Kroatien Teil 9

Tag 8: Katastrophen über Katastrophen
Anfangsanmerkung: Aufgrund der im Folgenden geschilderten Ereignisse war es uns nicht möglich, in der ersten Hälfte des Tages Fotos zu schießen. Daher schiebe ich ganz Off-Topic Bilder der typischen Felsstrandvegetation ein, um trotzdem das Auge des geneigten Lesers zu erfreuen. Informationen dazu gibt es, wenn man mit der Maus über das Bild fährt.
Dieser Tag war ein Sonntag und Sonntag war auch der Tag, an dem wir unsere Container räumen sollten. Wir wollten Mittwoch eigentlich schon wieder fahren aber Buchung ist Buchung und unsere war irgendwie verschlampt worden und die des neuen Containerbewohners nicht.
Wir begannen also früh morgens damit, unseren Sack und Pack für die weite Reise von etwa 50-100 Metern weiter transportierfähig zu machen. Überpünktlich zum spätmöglichsten Auszugstermin war auch alles in die Transporter gepackt. Nur unser Zelt musste noch umgesetzt werden.
Gliedermelde - Arthrocnemum macrostachyum; schmeckt salzig, Spitzen oft gelb. Bis zu 1m hoch.
Ich habe bereits in einem vorherigen Eintrag erwähnt, dass für diesen Tag ein Sturm angesagt war. Vormittags war bis auf ein paar Wolken und ein etwas kühleres Klima als sonst nicht viel davon zu merken gewesen. Aber ungefähr 10min nachdem wir das Zelt an seinen neuen Platz gestellt hatten, fing es  an, kräftig zu blasen.
Die ersten kräftigen Böen zogen schon recht hartnäckig am Innen- und Außenzelt, bei denen wir gerade noch dabei waren, sie überhaupt sturmfest zu befestigen. Wie beim alten Platz war dies, was den Untergrund betraf, wieder nur mit starken Einschränkungen möglich. So wirklich brachten wir vielleicht nur 3-5 Heringe in den Boden. Diesesmal mussten wir uns hauptsächlich auf die Schnüre verlassen. Zum Glück stand nicht zu weit von der Veranda entfernt eine Steineiche, so dass an dieser und dem Verandageländer die Schnüre gut angebracht werden konnten. Der Zelteingang mit dem Vorzelt allerdings stellte ein Problem dar. Die nächste große Steinplatte war keine 5cm unterhalb der Erde und ließ nichts durch. Also zog ich mit der Hilfe der Tochter unserer Exkursionsleiterin, alias “das Ungeheuer”, los und suchte große Steine, die uns bei den immer heftiger werdenden Böen nicht einfach abheben würden. Wir brauchten mindestens 20min, um zwei Stück zu finden und kurz bevor wir den letzten fanden, fing es an zu regnen. Jede Minute wurde der Regen heftiger.

Da wir unsere Container schon um elf oder zwölf Uhr verlassen haben mussten, unsere neuen Container aber offiziell erst ab drei Uhr nachmittags uns gehörten, hatten wir die Wahl: Entweder wir quetschen uns zu den anderen mit auf den Balkon, der aufgrund des Windes nicht wirklich als trockenes Plätzchen bezeichnet werden konnte. Oder wir setzten uns in unser Zelt und stellten damit sicher, dass es auch garantiert nicht wegfliegen sollte auf Kosten der Kurzweil, die wir mit dem Rest der Gruppe haben würden.
Wir entschieden uns für zweiteres – hauptsächlich deswegen, weil wir gerade näher am Zelt standen und es wirklich schon in Strömen goss. Das Zelt bog sich ordentlich durch und durch den starken Wind entpuppte es sich auch als etwas ganz anderes als ein trockenes Plätzchen. Durch die Seitenfenster wurde das Wasser förmlich ins Innenzelt gedrückt und tropfte dann vom Dachfliegengitter auf uns herab. Tobi musste zu allem Überfluss noch einmal zum alten Zeltplatz rennen, weil da noch unser Koffer liegen hätte können. Die anderen hatten ihn aber zum Glück schon eingepackt. Tobi wurde dabei ordentlich nass, woran unser durch das tropfende Fliegengitter feucht gewordene Handtuch auch nicht mehr viel ändern konnte. Das kleine Ungeheuer hatte sich bei uns mit eingenistet, hauptsächlich wohl deswegen, weil wir unseren “Ghettoblaster” irgendwie mit ins Zelt gebracht hatten. Passend zum heulenden Wind und dem mittlerweile einsetzenden, augen- und ohrenbetäubenden Donner&Blitz um uns herum gab der Ghettoblaster (mit Diddlaufklebern, ich hatte ihn mir ausgeliehen.. naja habe, er steht immernoch hier ^^) zarte Deathmetaltöne von sich. Dem Ungeheuer gefiel’s.

Nach etwa 1-2 Stunden ließ der Sturm langsam nach. Bis wir Schlüssel für unsere Container bekommen durften, dauerte es aber immer noch. Das Ungeheuer verließ uns für eine Weile. Da wir sonst nichts tun konnten und von den Strapazen erschöpft waren, schliefen Tobi und ich ein.
In der Zwischenzeit entschieden die anderen Studenten, dass sie, statt auf dem Balkon herumzusitzen, besser ins Campingplatzcafé einkehren wollten. Sie teilten es den Exkursionsleitern mit und dass sie uns Bescheid sagen sollten, wenn wir wieder aus dem Zelt kämen. Uns wurden offensichtlich andere Tätigkeiten als braves Schlafen unterstellt. Irgendwie wurde aber vollkommen vergessen, uns dies mitzuteilen. Als wir wirklich aus dem Zelt kamen waren daher nur kurz unsere Exkursionsleiter da, die bald zum Schlüssel abholen aufbrachen. Unwissend, wo der Rest ist, brachten wir also ungefähr 2 Stunden mit dem Ungeheuer im ersten, schon aufgeschlossenen Container zu und lauschten den 69 außergewöhnlichsten Tierstimmen auf dem Diddl-Ghettoblaster.

Strandflieder - Limonium vulgare; Überschüssiges Salz scheidet die Pflanze über Drüsen am Stängel aus. Daher findet man an der Pflanze viele kleine Salzkristalle
Als unsere Exkursionsleiter endlich mit dem zweiten Schlüssel zurückkamen, erfuhren wir auch endlich, wo denn der Rest des Trupps verblieben war. Wir hätten jetzt eigentlich gerne unseren Kram wieder ins Zelt verfrachtet. Allerdings hatte irgendjemand von den anderen den Schlüssel zum Bus und der war abgeschlossen. In welchem der mehreren Cafés sie außerdem saßen, wussten wir auch nicht. Während ich mich still darüber aufregte, dass ich nichts machen konnte, außer zu warten, vollbrachte Tobi das pädagogische Wunder, mit dem Ungeheuer einige Matheaufgaben durchzurechnen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit - ich durfte bei den Matheaufgaben leider nicht mitspielen und wurde bei jedem Versuch von Tobi mit einem finsteren Blick gerügt – kamen die anderen endlich wieder. Ich holte unseren Kram, richtete unser Zelt wieder ein und hängte meine Wäscheleine samt dem ganzen nassen Zeug wieder auf. Unseren Cafédeserteuren vergaben wir, da es ja nicht ihre Schuld, dass ihre Nachricht nicht weitergeleitet wurde. Dass wir ihnen vergeben sollten, lag ihnen auch sehr am Herzen, denn heute Abend stand eine ausgiebigere Besichtigung von Rovinj auf dem Plan und sie wollten vor allem das Nachtleben in der Stadt besichtigen.
Bevor wir uns auf den Weg machten, präsentierten unsere Exkursionsleiter uns noch ein paar interessante Strandfunde, u.a. zum Beispiel diesen Laichklumpen. Die Eltern dieser entweder bereits geschlüpften oder vertrockneten Brut gehören zu irgendeiner Art der Gattung Murex an, also zu den Purpurschnecken:
Murexlaich
Abends brachen wir bei sonnigem Wetter nach Rovinj auf, wobei wir nochmal einen kurzen Zwischenstop in der Plodine machten, einer hier verbreiteten Supermarktkette – von Lidl abgesehen.
Als wir den Supermarkt wieder verließen hatte sich das Wetter abrupt geändert. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde über den Parkplatz gefegt und über unseren Köpfen hatte sich ein kreisrundes Fenster zum klaren Himmel, umringt von unfreundlich grauen Gewitterwolken, gebildet. So schnell es irgendwie ging versuchten wir weiterzukommen und fuhren zum Hafenbecken um zu parken. Der Wind, der aus der Ferne Warnsirenen hertrug zusammen mit der Lichtstimmung schuf eine gespenstische Atmosphäre und die Gewissheit, dass es wieder nicht viel damit werden sollte, das Leben direkt im Hafenbecken mit der Taschenlampe zu beobachten.
Sturm
Wir huschten etwa 200m über die Fußgängerzone zu der Pizzaria, bei der wir am ersten Labortag hier schon einmal Pizza geholt hatten. Im hinteren Teil des kleinen Gastraumens verteilten wir uns über zwei Tische und bestellten drei Pizzen. Auf der Eckbank lag ein kroatisches Magazin, aus dem wir versuchten schlau zu werden. Auf der Witzeseite war ein Cartoon abgebildet, in dem sich offensichtlich über die Deutschen und ihre übertriebene Liebe zu Autos lustig gemacht wurde.
Sobald wir mit der frischen, köstlichen Pizza fertig waren, ging draußen ein Wolkenbruch sondergleichen hinunter. Vom schönen Wetter beim Aufbruch getäuscht, hatten ich und ein paar der anderen Mädels alles andere als festes, dichtes Schuhwerk an. Zurück zu den Autos zu kommen, über mindestens 5cm hoch überschwemmte Straßen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Unsere Exkursionsleiter beschlossen, nach hause zu fahren, zum Teil deswegen, weil unser Zelt ja erwiesenermaßen nicht dicht war und nun unser Zeug nass werden würde, darunter Bibliotheksbücher.
Wir blieben in Rovinj. Mir waren allerdings die nassen Füße in den nass so rutschigen Sandalen arg aufs Gemüt geschlagen. Trotz aller Widrigkeiten marschierten wir nach einiger Zeit wieder los, auf der Suche nach einer Bar. Irgendwie verschlug es uns in einen Irish Pub. Einer unserer Gruppe sollte sich darin die Lippe und den Rachen an einem angezündeten Glas Sambuca verbrennen. Ich und Tobi bekamen davon nichts mit, denn wir zogen weiter, um die Altstadt und die berühmte Kirche mit der heiligen Euphemia zu suchen.
Gsschen
Es regnete zwar nicht mehr, aber der Boden war immernoch übersät mit tiefen Pfützen und meine Schuhe waren zwischenzeitlich noch kein bisschen getrocknet, so dass die Sohlen auf dem glatten Marmorboden und die Füße auf den glitschigen Sohlen ständig ausrutschten. Irgendwie schafften wir es bis hinauf in die Kirche durch so hübsche Gässchen wie links im Bild. Natürlich hatte die Kirche um diese Zeit und bei diesem Wetter schon zu. Schon auf dem Weg hin, besonders aber auf dem Weg zurück hatte Tobi seine Taschenlampe ausgepackt und beleuchtete das Wasser am Hafenbeckenrand. Zwischen den Booten waren einige größere und kleine Fischschwärme zu erkennen und an der Mauer selbst tummelten sich die Krabben auf Miesmuschelbänken. Einmal legte sich Tobi auf den Bauch um besser hinunterzukommen. Passierende Amerikaner erschreckten sich dabei, weil sie erst dachten, er wäre gestorben und dann, dass er gerade vor Trunkenheit ins Meer reihern würde.
Irgendwann waren wir beide wieder am Bus angekommen. Wir stellten den Diddlblaster an, machten es uns irgendwie ineinander verknotet bequem und schliefen zu Portishead ein. Einige Zeit nachdem die CD durchgelaufen war, kamen die anderen wieder zurück. Endlich fuhren wir wieder nach hause, mit einem kleinen Umweg zu einem nahegelegenem Club um jemanden davon zu überzeugen, dass der Sonntags nicht geöffnet hat.
Morgen geht’s weiter mit Meeresbodenkartierug und Nesseltieren!
Achja, muss ich erwähnen, dass es nun aus war mit dem Waldbrand? ^^

Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl Christina Staudigl 

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