Mittwoch, 19. September 2012

Exkursion nach Kroatien Teil 11

Tag 10: Das letzte Mal…
Angespornt vom Vortagsvortrag (sprich das ganz schnell mehrmals hintereinander aus) fuhren wir heute noch einmal in den Palud. Wir wollten endlich Schlangen sehen! Sofort gingen wir los. Jeder Stein am Wegesrand wurde umgedreht, es könnte sich ja jemand vor der Sonne verstecken.
Tobi fand unter einem Stein ein paar noch lebendige, aber verschlossene Schnecken. Wenige Minuten später fanden wir unter einem weiteren Stein eine kleine Rotte Babyskorpione.
Skorpionbabys
Dann verließen wir den herkömmlichen Weg und schlugen einen Pfad zum bzw. durch den Sumpf ein. Während der normale Weg von der Sonne des Vortages bereits schon wieder gut getrocknet war, gab es auf dem Pfad links und rechts immer noch hier und da ein paar Pfützen. Etwa nach zehn Minuten erreichten wir einen kleinen, verlassen aussehenden Verschlag. Hier hatte unser Reptilienfreund bei seiner letzten Exkursion nach Kroatien eine Schlange (welche es war, weiß ich leider nicht mehr) unter einem der dort herumliegenden Wellbleche gefunden.
Es wurde sich langsam an selbige herangeschlichen und die Bleche hochgehoben. Nichts. Nichts schlangenhaftes zumindest. Unter einem der Bleche fanden wir einen weiteren Skorpion, diesesmal erwachsen aber wiederum mit Babys bepackt.
Italienische Skropionmama - Euscorpius italicus
Noch wollten wir nicht aufgeben, wir folgten dem Pfad weiter. Zwischendurch kamen wir an einer offensichtlichen Wildschweinsuhle vorbei und ich könnte schwören, dass ich es hier auch ein paar Mal grunzen hörte. Zuerst waren wir hier ja noch über halbwegs ordentlich plattgetretene Erde gewandelt. Bald wurde daraus aber eher ein nicht mit Bäumen, sondern nur mit knöchelhohem Gras bewachsenes Dickicht, ergänzt durch einige morsch aussehende Bretter, die über Gräben hinwegholfen, die in feuchteren Zeiten wohl mit Wasser gefüllt sind. Schließlich verließen wir den eigentlichen Wald und fanden uns in einem Schilfwald wieder, in den der Weg förmlich hineingeschnitten war. Der Boden war dicht bewachsen mit Minze und jeder neue Schritt schleuderte einem ätherische Öle in die Nase. Irgendwann gaben wir auf und machten uns auf den Weg zurück zum Bus.
Der Verschlag im Palud
Dort erwarteten uns unsere Exkursionleiter zusammen mit einem der Wildhüter. Dieser hatte in der Nähe sein Landgut und verabschiedete sich noch einmal für kurze Zeit, die wir nutzten, um unser Mittagessen einzunehmen. Als er wiederkam, hatte er einige Tüten und Schüsseln für uns dabei. Darin befanden sich frisch geerntete Feigen, Malvazija-Trauben, Haselnüsse und Mandeln. Die Feigen frisch vom Markt waren schon ein Gedicht gewesen im Vergleich zu dem, was bei uns als Feige im Supermarkt landet. Aber diese hier… reinster Honig, cremig und saftig zugleich, das muss mit Nektar und Ambrosia bei den Göttern immer gemeint gewesen sein. Bei den Trauben konnten wir den Direktvergleich zwischen den frisch gepflückten und den Supermarkt-Trauben machen. Die Malvazija waren zwar kaum halb so groß wie die Trauben auf dem Supermarkt, aber so viel süßer und vor allem konnte man die Kerne wirklich einmal mitessen. Normalerweise geben diese ja immer so einen gerbstoffartigen, pelzigen Geschmack ab. Diese hier aber waren einfach nur knusprig. Selbstverständlich waren auch die Mandeln und Haselnüsse außergewöhnlich gut, so süße, pure Mandeln habe ich selten gegessen.
Silberreiher im Palud
Nachdem wir uns mehr als satt gegessen hatten, teilten wir uns auf. Unser Exkursionsleiter wollte hier am Parkplatz bleiben und auf einen der anderen Ranger warten, mit dem sich mit der Zeit eine enge Freundschaft entwickelt hatte. Unser Reptilienfreund und der Arthropodenexperte wiederum wollten noch einmal die Wiesen durchforsten, vielleicht stellte sich ja doch noch ein toller Fund ein. Der Rest, wir eingeschlossen, machten uns noch einmal zum Dinostrand auf. Heute hatten wir sogar die Unterwasserkamera dafür zur Verfügung bekommen – leider habe ich aber keinen Zugriff auf die Speicherkarte, wenn die Fotos denn überhaupt etwas geworden sind.
Auf dem Weg machten wir noch einmal Halt am Vogelbeobachtungsposten (Bild oben), wo wir u.a. einen Silberreiher und zwei Arten Stelzvögel mit dem Fernglas entdeckten.
Am Dinostrand schnorchelten wir dann bestimmt zwei Stunden am Stück. Wir beobachteten und photographierten u.a. mehrere Fischschulen, also Fischschwärme von Jungfischen. Bei einem waren die Fischkinder kaum zwei Millimeter groß. Ich fand in einem eindrucksvollen Mini-Unterwassercanyon eine Turbanschnecke, die wir bisher noch garnicht entdeckt hatten und eine sehr massiv durch Perlmutt schimmernde Muschelschale – leider habe ich ihren Namen vergessen.
Der größte Fund gelang Tobi und dem Ungeheuer: Sie entdeckten eine ganz neue Art von Seegurke. Sie war braun und trieb aufrecht im Wasser anstatt faul auf dem Boden zu liegen. Ihre Konsistenz war wahrscheinlich eher breiig. Naja lassen wir das.. Ich finde es ja schon nicht normal, wenn Leute im Wald am Strand ihr Geschäft erledigen, weil sie unfähig sind, abzuwarten, bis sie wieder nach hause fahren. Aber sein festes Geschäft dann auch noch im Meer erledigen – na vielen herzlichen Dank.
Dornfinger - Cheriacanthium punctorium
Während wir durch das Meer plantschten, fanden unsere zwei anderen Jungs u.a. dieses Einfamilien-Spinnenhaus oben im Bild. Das Dornfingerweibchen baut sich, noch bevor es geschlechtsreif wird, ein Gespinst. Das Dornfingermännchen erreicht die Geschlechtsreife früher als sie und baut dann direkt neben dem Weibchen ein zweites Gespinst an. Wenn das Weibchen nun nach seiner Häutung geschlechtsreif wird, ziehen sie zusammen, indem sie die Wand zwischen den beiden Gespinsten einreissen. Nach der Paarung schmeißt sie ihn aber wieder raus und schlägt sich fortan als alleinerziehende Mutter durch.
Dornfinger sind tatsächlich einmal für den Menschen giftige, heimische Spinnen. Besonders das Männchen hat sehr starke Beißwerkzeuge und lässt sich nur schwer wieder nach einem Biss entfernen. Die Folgen eines Bisses sind meist mit denen eines Bienenstichs vergleichbar. Allerdings kann es auch zu Lähmungserscheinungen und Schüttelfrost kommen oder dazu, dass der Schmerz noch mehrere Wochen spürbar ist.
Halbwegs gleichzeitig fanden wir uns schließlich alle wieder am Parkplatz ein, wo mittlerweile auch unser guter Rangerfreund angekommen war. Es wurde sich angeregt ausgetauscht, u.a. erfuhren wir von ihm von einem alten kroatischen Brauch: Ähnlich wie bei uns kleine Jungs früher am Hinterkopf ein Haarschwänzchen möglichst lange wachsen ließen, wird hier gerne der Nagel des kleinen Fingers möglichst lange gehalten. Den kleinen Finger des Rangers (er ließ seinen Nagel nur an einem von beiden wachsen, weil der der anderen Hand immer schief wüchse) zierte ein Nagel von um die drei Zentimeter Länge und er versicherte uns, dass er in jungen Jahren einmal einen Nagel von fünfzehn Zentimetern mit sich herumtrug. Wir wollten eigentlich schon nach Hause fahren, aber als wir erzählten, dass wir heute gedacht Cevapcici zu machen, lud er uns ein, in einem Strandrestaurant in der Nähe zu essen, wo er für uns einen Freundschaftspreis vereinbaren konnte.
Schmetterling auf Flockenblume

Wir fuhren also hinüber und bestellten 14 mal Cevapcici und auch das ein oder andere Glas Wein, Mismas oder Bier.  Nach einiger Zeit kamen dann auch unsere Teller mit diesen leckeren Hackfleischwürstchen, garniert mit Zwiebeln, Tomaten, Gurken und einem Klecks Ajvar, einer Paprikapaste.
Als Tobi und ich fertig waren, gesellten wir uns noch zu unseren Exkursionsleitern. Es wurde die ein oder andere Geschichte ausgetauscht sowie alle möglichen Tiersichtungen geteilt. Im Sumpf wimmelte es mittlerweile wirklich vor Wildschweinen, nur leider sei es nur in begrenztem Maße erlaubt, diese zu bejagen. Und das obwohl sie so viele geschützte Tiere und Pflanzen von hier vertreiben.

Ein weiteres kulturelles Schmankerl ermöglichte uns eine neue Trendlimo, die der Wildhüter sich bestellt hatte: Eine Wacholderlimonade. Auf die Idee dafür waren die Produzenten gekommen, da traditionell in Istrien Wein oder auch einfach nur Wasser mit Wacholderbeeren gewürzt wurde. Dazu wurden die Beeren in der jeweiligen Flüssigkeit einige Wochen in einem Fass angesetzt.
Da die Limonade gar nicht schlecht geschmeckt hatte, kann ich mir gut vorstellen, dass die traditionelle Version davon auch nicht schlecht sein konnte.
Pelinkovac mit FelschenWenige Stunden vor der Dämmerung machten wir uns schließlich wieder auf den Weg zurück zum Campingplatz, wo wir noch einmal durchgingen, wie es am Morgen mit der Abreise ablaufen sollte. Danach machten Tobi und ich uns noch einmal auf den Weg zum Strand. Das Schnapsfläschchen war am Abend zuvor zwar erfolgreich geleert worden. Aber bisher waren wir noch nicht dazu gekommen, sie auch mit dem lokalen Strandboden wieder aufzufüllen. Mit Taschenlampenbeleuchtung futzelte Tobi recht mühsam die Steinchen zusammen, die durch den engen Flaschenhals passten. Garnicht passte das der ein oder anderen Marmorkrabbe, die sich in der Nähe solcher Steinquellen aufhielten.

Auf dem Weg zurück stolperten wir auf der Straße über den Gesellen im Bild unten aus der Klasse der Myriapoda. Ein Auto hatte ihn wohl angefahren, weswegen es uns gut gelang, ihn vorsichtig in ein Taschentuch zu wickeln. Wir zeigten ihn unseren tapferen Gefährten und es wurde beschlossen, dass er mit nach Deutschland kommen sollte, in ein schönes, warmes Terrarium. Wahrscheinlich würde er es eh nicht mehr lange machen,
sein hinteres Drittel sah doch recht mitgenommen aus.Grtelskolopender - Scolopendra cingulata
Hier schließe ich für heute. Morgen beschreibe ich dann noch die Rückreise und vielleicht ein paar interessante Details, die ich bisher nicht unterbringen konnte.
Ich danke schonmal allen, die hier immer eifrig mitgelesen haben. Ich hab mich über jeden von euch gefreut Zwinkerndes Smiley
Einen schönen Abend noch!

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