Dienstag, 18. September 2012

Exkursion nach Kroatien Teil 10

Tag 9: Nicht mit Süßwasser ausspülen!
An diesem Tag wollten wir endlich unsere Meereskartierung vornehmen. Da der Dinostrand aber das letzte Mal relativ artenarm erschien und vor allem keine Seegraswiesen vorzuweisen hatte, fuhren wir wieder zum Cisterna-Strand. Diesesmal gingen wir aber ans andere Ende der Bucht, wo wieder mehr Felsstrand war und die Seegraswiese näher am Ufer.
Wir suchten uns ein einsames, schattiges Plätzchen für unseren Kram und alsbald gingen die ersten von uns, ich eingeschlossen, auf eine erste Erkundungstour.
Cisternastrand Nordseite
Die Nachwirkungen des Sturms waren noch klar bemerkbar. Die Sonne schien zwar wieder mit voller Kraft und der Himmel war weitgehend wolkenfrei, aber es blies schon ein ordentliches Lüftchen. Dementsprechend war natürlich auch das Meer heute alles andere als ein stilles Gewässer. Ohne Flossen war es praktisch unmöglich, gegen die Strömung nach draußen zu schwimmen ohne genauso weit fortgeschwemmt zu werden, wie man eben vorwärts gekommen war.
Das Wasser an sich war eigentlich ganz angenehm und durch den harten Wellengang war es viel besser durchmischt, so dass man sich nicht mehr so oft bei Temperaturwechseln erschreckte. Aber als ich dann aus dem Wasser herauskam, blies mich der kalte Wind so schnell trocken, dass ich nicht nur recht bibberte sondern das Meerwasser beim kondensieren auf mir Salzkristalle bildete.
Mrtelnest
Aufgrund dieser Bedingungen ging ich erst einmal nicht mehr ins Wasser und half stattdessen vom Land aus dabei, die Meereskartierung durchzuführen. Dazu wurde eine zehn Meter lange Schnur mit Metermarkierungen an ihren Enden mit Steinen verknotet. Das eine Ende blieb an Land, das andere wurde so viel weiter weg davon im Wasser versenkt, dass die Schnur gespannt war. Nun wurde von den tapferen Schwimmern jeder einzelne Meter abgeschwommen und Algen und Viehzeugs in Falcon-Röhrchen (eigentlich für Mikrobiologen gemacht, aber sie eignen sich auch hervorragen hierfür) gestopft, wenn möglich. Der Inhalt der Falconröhrchen sowie die Aussagen über sonstige entdeckte Lebewesen dokumentierten wir. Die Badeurlauber um uns herum verwirrten wir. (Ich erspare mir die Liste, da sie nicht viel mehr hervorbrachte, als ich bereits in dem Blogeintrag von diesem Strand schon erwähnt habe)
Während dieser Aktion machten zwei der tapferen Taucher nähere Bekanntschaft mit Tierchen, vor denen man uns mehrfach gewarnt hatte: Seeanemonen. Tobi hatte, ohne es überhaupt zu merken, in solch eine hineingelangt und war dann, als er an Land die Brille wieder abnahm, an sein Augenlid gekommen. Eine weitere Studentin, die todesmutig gleich eine ganze Seeanemone in ein Falconröhrchen gepackt hatte, langte sich kurz darauf an ihre Lippe.
Nesselauge
Bei beiden war das Resultat erstmal dasselbe: Die betroffenen Stellen schwollen ziemlich stark an. Links seht ihr Tobis Auge, die Lippe der Studentin sah ein wenig so aus wie nach einer misslungenen Schönheits-OP.
Tobi beschrieb in seinem Tagebuch die Auswirkung der Nesselung so: “Sofort eintretender, brennender Schmerz. […] mitteler bis schwacher Kopfschmerz, Trägheit. […] Anschwellen der Lymphknoten an Hals und Ohren”.
Irgendwie taten wir auch genau das falsche mit den Nesselwunden: Wir spülten sie mit Süßwasser. Das bewirkte aber nur, dass die Nesselkapseln sich endgültig entleerten. Aber das richtige Erste-Hilfe-Mittel, Essig zum neutralisieren, hätten wir am Strand auch nicht dabei gehabt. Das Tag 2-Bild zeigt Tobi’s Auge nach der ersten Nacht und ohne Verwendung der Cortisonsalbe, die wir eigentlich dabei hatten. Stattdessen hatte jemand Tobi seine homöopathische Wundersalbe angepriesen. Viel gebracht, außer vielleich etwas Placeboeffekt, hat sie nicht – erst die Cortisonsalbe ließ den Quaddel über dem Auge abschwillen und den Quasimodo-Look verschwinden.
Heuschreckendoppeldecker
Nach der Süßwasserbehandlung, dem gemeinsamen Mittagessen und der Bestimmung neuer Kartierungsfunde stellte ich der versammelten Mannschaft endlich die hiesigen Strandpflanzen vor – natürlich, sofern möglich, mit dem Hinweis, sie auch einmal zu kosten. Außer denen, die ich euch hier schon näher gebracht habe, fanden wir außerdem noch den klebrigen Alant Dittrichia viscosa, der sich vom Salz-Alant dadurch unterscheidet, dass seine nicht fleischigen, aber ebenfalls linealen Blätter wegen drüsiger Haare eben etwas klebrig wirken. Unseren Exkursionsleitern fiel des weiteren noch ein Mönchspfeffer Vitex agnus-castus in die Hände. Der Pflanze, deren Früchte wirklich wie kleine Pfefferkörner aussehen, wurde früher nachgesagt, sie könne sexuelle Triebe drosseln und trägt daher auch den Namen “Keuschbaum”. Auch wenn wir alle nicht recht dran glaubten, diese Pflanze probierte lieber keiner Zwinkerndes Smiley.
Nasenschrecke
Anschließend besuchten wir noch das Stück Wiese am Strand, die sich mittlerweile neben der Nutzung als Klo auch zum Parkplatz entwickelte.
Einer der ersten Funde war, neben den ganzen “gewöhnlichen” Heuschrecken, eine Nasenschrecke, links im Bild. Warum sie im Deutschen so heißt, ist relativ gut nachvollziehbar. Wer zu wenig zu tun hat: Auf Wikipedia ist die Gattung noch fast gänzlich unbekannt, auf jeden Fall gibt es nur auf der deutschen Seite eine beschriebene Art.
Auf dem Feld schwirrten auch wieder viele Schmetterlinge umher, darunter auch Bläulinge. Diese sind biologisch durchaus interessant, denn sie treten meist nur in der Nähe von Ameisen auf. Das hat die Bewandnis, dass ihre Larven Hormone abgeben, die Ameisen glauben lassen, es wären ihre eigenen Larven. Daraufhin werden die Schmetterlingslarven im Ameisenbau gefüttert und aufgezogen, bis sie schließlich in der Lage sind, in die weite Welt hinaus zu flattern.
IMG_7640
Ein weiterer interessanter Fund war diese Biene im Bild oben. Sie hat sich ein Nest aus zerschnittenen Blättern gebaut und das nicht irgendwo: Sie hat es in das Netz einer Trichternetzspinne gebaut. In diese Behausung werden dann mehrere Eier gelegt, sowie ein ausreichender Vorrat Pollen für die Larven.
Ritterwanzenpaarung
Am interessantesten auf der ganzen Wiese war ein Fund, der uns erst relativ am Ende der Suche gelang: Wir fanden eine Haubenfangschrecke, eine Empusa pennata. Diese außergewöhnliche Familie innerhalb der Gattung der sowieso schon außergewöhnlichen Ordnung der Mantiden  hat ihren Namen aus der griechischen Mythologie, wo dieser Name eine dämonische, eher weibliche Spukgestalt bezeichnet, die zwischen verschiedenen Formen wechseln kann.
Die Vertreter in Kroatien können etwa fingerlang werden und erschienen den Mitgliedern der Kroatienexkursion im Frühjahr bevorzugt mit dem Kopf abwärts hängend an Olivenbäumen. Unser kleineres Exemplar begnügte sich noch mit Grashalmen. Eben wie diese vermochte es, sehr geschickt sich im Wind zu wiegen. Wie genau das aussieht, könnt ihr in diesem Video beobachten:
Nach diesem Ausflug in die Wiese fuhren wir noch ein letztes Mal in die Plodine, wo Tobi und ich uns mit einheimischen Waren für zuhause eindeckten. Neben zwei Flaschen Wein der heimischen Rebe Malvazija, einer Feigen-Orangen-Marmelade und einem Lindenblütenhonig besorgten wir auch zwei Flaschen eines Schnapses namens Pelinkovac. Nicht um uns zu besaufen. Nein, seit Helgoland haben wir dieses Ritual entwickelt: Wir befüllen an einem neuen Ort immer eine einheimische Schnapsflasche mit einheimischen Sand.
Zu Abend gab es ein österreichisches Gericht aus Kartoffeln, Speck und Eiern. Anschließend hielt noch unser Reptilienfreund einen sehr lebhaften und interessanten Vortrag über die einheimischen Eidechsen und Schlangen. Lustigerweise tat er das mit der Powerpoint einer Teilnehmerin der Frühjahrsexkursion, die noch auf Tobis Laptop schlummerte. Zum Ausklang des Abends leerten wir eine der Pelikovacs, der mit seinen Zutaten “voda, alkohol, aecer, macerat aromatskog bilja,bojilo:karamel” etwas in Richtung Jägermeister ging.
Ich hoffe ihr habt mir nicht übel genommen, dass ich gestern nicht zum bloggen gekommen bin. Wenn doch: Entschuldigung! Zwinkerndes Smiley
Morgen wird’s nochmal bildgewaltig denke ich!

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